Crozes Ermitage Le Grand Courtil Blanc 2021

Ferraton Pere et Fils

Crozes Ermitage Le Grand Courtil Blanc 2021

voll & rund
unkonventionell
mineralisch
97–98+
100
2
Marsanne 50%, Roussanne 50%
5
weiß
13,5% Vol.
Trinkreife: 2024–2040
Verpackt in: 6er
3
Lobenberg: 97–98+/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Crozes Ermitage Le Grand Courtil Blanc 2021

97–98+
/100

Lobenberg: Dieser Crozes-Ermitage ist häufig der spannendste Weißwein, den ich aus dieser Appellation kenne. 2021 ist so ein grandioses Weißweinjahr, besser als alle vergangenen fünf Jahrgänge. Vielleicht 2014 erreichend in dieser Feinheit und Eleganz. Der Grand Courtil ist so unendlich fein schon in der Nase. Ein bisschen Limette und in Zucker gewendete Orangen und Clementinen. Dazu Kumquat, Litschi und Nashi-Birne. Hoher Charmefaktor. Im Mund supersaftig, wieder mit Kumquat, Birne und Litschi, darunter eine wunderschöne Kalksteinnote. Kein Wucht, sondern unendlich fein und lang. Köstlich! So schick verwoben und lang. Bittere Mandarine schwappt wieder hoch, auch ein Touch Bitterorange neben der satten Birne und der salzigen Kreidigkeit. Große Harmonie ausstrahlend, alles passt! Ein grandioser Zechwein – saftig und hedonistisch. Die 50 Prozent Roussanne geben die Fülle zu dieser leichten Bitternote der Marsanne. Das passt ziemlich gut und gehört absolut ins obere Mittelfeld der Weißweine aus diesem grandiosen Weißweinjahr. 97-98+/100 *** Le Grand Courtil Blanc wird von ganz alten Reben gewonnen. 50 Prozent Marsanne, 50 Prozent Roussanne. Früher wurden die Trauben an Chapoutier verkauft. Heute wird daraus dieser Wein als Teil der Sélection Parcellaire gemacht. Die ganzen Trauben werden ganz langsam abgepresst und in neuen 600 Liter Holzfässern Fässern spontan vergoren, anschließend wird der Wein komplett im Stahl ausgebaut. Wir haben also nur recht wenig Holzeinfluss. Ein irres Konzentrat, mit winzigen Mengen und großem Potenzial. Das erste Mal wieder mit 2019 auf den Markt gebracht. Ein einzigartiger Wein.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Ferraton Père et Fils

Samuel Ferraton, Vertreter der vierten Generation im Weingut, gab 1998 dem Haus einen neuen Impuls durch eine finanzielle Partnerschaft mit dem Haus Chapoutier bei gleichzeitiger Wahrung der qualitativen Unabhängigkeit.