Cotes du Rhone Rouge Nobles Origines 2021

Michel Tardieu - Chateauneuf du Pape

Cotes du Rhone Rouge Nobles Origines 2021

BIO

strukturiert
pikant & würzig
fruchtbetont
94–95
100
2
Grenache 70%, Syrah 20%, Mourvedre 10%
5
rot
14,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2050
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 94–95/100
6
Frankreich, Rhone, Chateauneuf du Pape
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cotes du Rhone Rouge Nobles Origines 2021

94–95
/100

Lobenberg: Die Nase dieses unglaublich feinen Côte du Rhône ist eine Himbeer-Pinot-Noir-Komposition. Was ist das denn von der Rhône?! Ich habe viel gehört von den roten 2021ern von der Südrhône, aber so fein habe ich es dann doch nicht erwartet. Was für eine spielerische, Cabernet Franc-artige Loire-Komposition mit starken Assoziationen an das Beaujolais und Pinot Noir. Niemand käme bei dieser Nase – glaube ich jedenfalls – auf Grenache und Syrah. So schwebend, so fein! Den Genießer mitnehmend in einen süßen, fruchtigen Traum. Megaelegant, nur Riechen recht. Was für ein schicker Wein in der Nase! Auch der Mund kommt mit Himbeere und Erdbeere, dazu rote Kirsche – ganz fein. Feines Gesteinsmehl darunter. Unglaublich lecker und trotzdem steht der Wein für Minuten. Die Mineralität ist salzig, aber nicht aggressiv. Der Wein bleibt schick und fein. Das ist eine Art Passetoutgrain (also Gamay und Pinot Noir) mit einem Schuss Cabernet Franc der Loire. So eine grandiose Feinheit habe ich an der Südrhône noch nie probiert. Ganz anders als alle mediterranen Jahre davor. Weg vom Druck, weg von der Power, hin zur spielerischen Leichtigkeit. Die Himbeere steht für Minuten, alles schwebt fein umeinander, ist ätherisch, schick und abgespact. Kein Wein zum Niederknien, sondern einfach nur eine Ode an die Freude. Jede Flasche wird ausgetrunken, das garantiere ich persönlich. 94-95/100 *** Die Tardieus haben das Label und den Namen des Guy Louis neugestaltet, ohne jedoch den Inhalt zu verändern. Weiterhin ist es eine Zusammenarbeit mit verschiedenen, teils biologisch arbeitenden Winzern, von denen sie schon lange Trauben beziehen. Der Name Nobles Origines wurde gewählt, weil der Wein zu 100 Prozent aus fünf Crus stammt: Vacqueyras, Beaumes-de-Venise, Rasteau, Lirac und Cairanne. Das Ganze wird deklassiert zu einem Côtes du Rhône. Also großes Kino für kleines Geld. Der Wein besteht aus 70 Prozent Grenache, 20 Prozent Syrah und 10 Prozent Mourvèdre. Die Grenache-Reben sind 50 Jahre alt, die Syrah 40 Jahre und die Mourvèdre 30 bis 40 Jahre. Der Alkoholgehalt liegt bei 14,5 Volumenprozent. Ein Drittel der Trauben wurde nicht entrappt. Nach der Spontangärung in Betonfudern erfolgt der Ausbau für zehn Monate in Barriques mit Zweit- und Drittbelegung. Danach geht der Wein für weitere acht Monate ins Stockinger-Doppelstückfass. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die authentischen Burgunderflaschen wandern. Seit dem Jahrgang 2020 mit der teuersten Korkvariante von DIAM ausgestattet, die neben Naturkork 100 Prozent natürliche Materialien wie Rizinusöl und Bienenwachs enthält.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Chateauneuf du Pape

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.