Cornas 2021

Michel Tardieu - Nordrhone

Cornas 2021

voluminös & kräftig
frische Säure
pikant & würzig
97–98
100
2
Syrah 100%
5
rot
Trinkreife: 2025–2042
Verpackt in: 12er
3
Lobenberg: 97–98/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Cornas 2021

97–98
/100

Lobenberg: Anders als in früheren Jahren gibt es 2021 keine Vieilles Vignes aus Cornas, da so viel durch Frost verlorengegangen ist. Der einfache Cornas und der Vieilles Vignes wurden zusammengelegt. Es gibt nur eine Cuvée und gerade einmal rund 2000 Liter. Eine extrem kleine Ernte. Aber natürlich ist in Nase und Mund der Unterschied zur Hyperkonzentration des reine Vieilles Vignes spürbar. Der 2021er kommt filigraner daher, mit weniger Druck in der Nase. Dafür aber voller Finesse, Feinheit und Zartheit. Schwarze Frucht, schwarze Heilerde, Cassis, Brombeere, darunter Sanddorn und Schlehe. Aber alles fein bleibend. Veilchen, deutlich holländische Lakritze und Garrigue-Würze in der Nase. Der Mund ist verglichen mit dem Cornas Vieilles Vignes der Vorjahre dann erstaunlich leicht und verspielt. Aber lecker bis zum Abwinken – das hätte ich überhaupt nicht erwartet, einen so geschmeidigen, sympathischen, geschmackvollen, hedonistischen Cornas im Mund zu haben. Wow, den kann man nicht ausspucken, das ist so schön! Cornas in so einer Feinheit, Frische und fast rotfruchtigen Eleganz! Die Tannine sind super poliert. Dem Wein fehlt jahrgangsentsprechend der letzte Druck, den Cornas sonst hat. Das ist kein Hyperpowerwein, sondern einfach nur schön, zart und geschmeidig. Auch wenn ich glaube, dass dieser Cornas in 2021 nicht ganz mit dem Saint-Joseph mithalten kann. Ich würde ihn auf die gleiche Stufe mit dem Crozes-Hermitage setzen, auch wenn die Ausprägung eine andere ist. Der Crozes war einfach schwarze Frucht mit totaler Eleganz und Feinheit. Hier haben wir deutlich mehr rote Frucht, ein deutlich stärkeres Sauf-Gen. Hier wird jede Flasche ausgetrunken werden, so schön, so elegant ist dieser Wein. Eine Ode an die Freude! 97-98/100 *** Tardieus Cornas besteht aus 100 Prozent Petite Syrah. Oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. 60 bis 100 Jahre alte Reben. Der Wein hat 14 Volumenprozent Alkohol. Ein Drittel der Trauben werden vor der spontanen Gärung im Betontank nicht entrappt. Der Ausbau erfolgt für 12 Monate in Barriques, zum Teil neues Holz, zum Teil Zweitbelegungen. Dann nochmals 12 Monate im Doppelstückfass. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die Burgunderflaschen mit Naturkork gefüllt werden.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Michel Tardieu – Nordrhone

Michel Tardieu ist inzwischen legendär und einer der besten Weinmacher Frankreichs. Robert Parker u. v. a. überhäuften ihn zu Recht mit Superlativen. Sehr oft arbeitet er an der Rhone und in anderen Regionen mit seinem Freund Philippe Cambie zusammen.