80 Prozent Merlot und 20 Prozent Cabernet Franc. 35 Hektoliter pro Hektar Ertrag. Es gibt 2023 insgesamt 12.000 Flaschen von diesem winzigen Weingut, 2022 gab es nur 8.000. Der Alkoholgehalt liegt 2023 bei 14 Volumenprozent. Es gab hier wenig Mehltau-Stress. Zwar wird hier biologisch in Keller und Weinberg gearbeitet, aber für den Mehltau nutzen sie ein systemisches Spray. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt. Obwohl es nur 20 Prozent in der Cuvée sind, ist der erste Angang eindeutig Cabernet. Und es ist das Jahr des Cabernet – was für eine grandiose rotfruchtige Nase mit roter Kirsche, Sauerkirsche und Waldhimbeere! Die Himbeere hat 2023 ihren echten Durchbruch! Was für eine schöne Nase mit vielen floralen Noten darunter: Veilchen und Rosenblätter, dazu die feine Süße aus der roten Kirsche. Dann kommen schwarze Kirsche, Brombeere, Maulbeere und getrocknete Blaubeerschalen. Schicke helle Lakritze dazu, ein Hauch Minze und Eukalyptus. Schöne Intensität! Der Mund wird von Jahr zu Jahr erwachsener. Hohe Intensität in 2023. Wow, was für eine Aromatik! Dichter, intensiver Schwall von Sauerkirsche und hochintensiver, säurebeladener Himbeere. Lebendig und vibrierend, dazu wieder diese schicke Minze und der Eukalyptus, obwohl komplett entrappt wurde. Das erstaunt, denn eigentlich sind das Aromen, die über die Rappen in den Wein kommen. Der Wein steht für Minuten: Was für eine Intensität! Und während ich hier stehe und probiere, sehe ich die peristaltischen Pumpen – hier wird extrem schonend gearbeitet. Der Wein steht und steht… Für das kleine Geld ist das ein immenses Ereignis. Ein wunderschöner Wein! Viele Weine mit doppeltem Preis haben hier das Nachsehen. Die rote Frucht klebt an der Zunge und am Gaumen. Himbeere, Erdbeere, rote Kirsch, Sauerkirsche, Zwetschge und etwas rote Johannisbeere, darunter die Fülle und Weichheit der Merlot mit Schwarzkirsche und etwas Cassis. Mit diesem Cabernet-Approach ist das im Grunde ein Saint-Émilion mit einem Angang als wäre er in Margaux oder Pessac-Léognan gewachsen. Tolle Kombination – ich bin sehr begeistert! Und wenn man sich losmacht von der Erwartung an große Namen als Bewerter, dann muss man anerkennen, dass viele arrivierte Namen das Nachsehen haben gegenüber diesem gehaltvollen uch aufregend spannendem Charmeur. Très chic! *** Clos Hédoné ist ein 1,5 Hektar Winzling, der dem Kellermeister von Guillot Clauzel, Arnaud Lagardère, und dessen Freund Christophe gehört. Die durchschnittlich 25 Jahre alten Reben werden in reiner Handarbeit nach dem Feierabend von ihm gepflegt werden. 6.000 Stöcke pro Hektar. Biologische Bearbeitung, komplette Begrünung. Die Reben sind 10 bis 15 Jahre alt. 2019 wurden diese anderthalb Hektar das erste Mal aus der Kooperative herausgelöst und separat vinifiziert. Der Ausbau geschieht in Barriques aus dem Burgund, die Hälfte davon ist neu. Abgefüllt wird der Wein in eine der ursprünglichen Bordeauxflaschen, die es aber ab dem 20. Jahrhundert nicht mehr gab wegen Verpackungsproblemen – sie ist etwas gedrungener, etwas knubbeliger.