Der Jahrgang 2024 schält sich nach mehreren Tagen der Proben in Châteauneuf immer mehr zu meinem Lieblingsjahr seit 2021 heraus. Der Clos des Papes Blanc wird immer in Betontanks spontan vergoren und ausgebaut, zudem wird die malolaktische Gärung unterbunden, um einen frischeren Stil zu erhalten. Vincent Avril hat im Burgund studiert und liebt die Spannung, er mag keine fetten Weißweine. Obwohl er keinerlei Holz bekommt, hat der Wein eine ungeheure Intensität. Aber eine Intensität aus Spannkraft und karger Mineralität. Die Nase ist sehr hellfruchtig und floral, wir haben nur zarte Anklänge von Frucht, weißer Plattpfirsich, Zitronengras, eingelegte Limettenzesten, aber vor allem dominieren weiße Blüten, Sanddorn und eine frische Meeresbrise. Der Mund hat einen schönen Zug aus Grapefruit, Quittenschale, Lindenblüte und Kamille. Wir haben einen sehr komplexen 2018er Blanc daneben probiert und 2024 hat nahezu genauso viel Dichte und Power, obwohl 2018 noch niedrigere Erträge hatte durch den Mehltau. Die weißen Clos des Papes changieren entweder zwischen intensiver provencalischer Frucht oder etwas eher floral-steinigem in der Jugend – der 2024er gehört definitiv letzterer Kategorie an. So schön ein junger Clos des Papes Blanc in seinem vollen Fruchtrausch sein kann, so zeigt sich doch der wahre Charakter dieser eigentlich sehr mineralgetriebenen Weine erst mit 10 Jahren und mehr der Reife. Schon nach vier, fünf Jahren im Keller geht die Frucht zurück und die Würze und das Salz übernehmen. Es wird immer schlanker und mineralischer, rassiger und griffiger mit dem Alter. Eine Frage des Geschmacks, in welchem Alter man die Weine genießen möchte, aber man sollte sie in ihrer Jugend keinesfalls unterschätzen oder für üppige Fruchtbomben halten, denn darunter gibt es noch so viel mehr zu Entdecken.