Der 2024er wurde bis zum 10. Oktober gelesen. Er besteht zu 60 Prozent aus Cabernet Sauvignon und zu 40 Prozent aus Merlot. Der Alkoholgehalt liegt bei 13,0 Volumenprozent. Schwarz-rubinrot. Wuchtige, dichte Fruchtnase, die mich in der Fruchtigkeit schon mehr an die Nachbarn erinnert. Das Terroir ist La Mission oder dem Nachbarn Carmes Haut-Brion doch recht ähnlich. Diese ganze Serie des Stadtgebiets von Bordeaux ist schon verdammt gut ausgefallen in 2024. Tolles lokales Kleinklima! Sehr reife, dichte Maulbeere, Cassis darunter und Brombeere. Dazu viel schwarze Kirsche, vor Mineralität und Salz singend. Tolle Vibration in der Nase! Schon hier ein leichter Piks von Chilischärfe. Es ist erstaunlich, wie groß die Unterschiede in 2024 ausfallen können. Wir hatten den ganzen Morgen 100 Weine aus dem Médoc. Speziell Margaux, Saint-Julien und Pauillac. Jetzt sind wir im Stadtgebiet von Bordeaux. Hier haben wir einfach eine ganz andere Tiefe, Schärfe und Vibration. Terroir, Kleinklima und überhaupt die Regenfälle brachten schon verdammt große Unterschiede. Der Mund ist so unglaublich dicht. Schwarze Kirsche, wieder die süße Maulbeere und Brombeere, dazu ganz viel dunkle Lakritze. Voller Opulenz, Schärfe, Mineralität und Salz. Und für 2024 völlig ungewöhnlich: eine immense Dichte! Samtiges, sattes, reiches Tannin mit großer Frische. Immer wieder Vibration und hohe Fruchtintensität mit Druck. Im Tannin zwar opulent, aber insgesamt in der Mineralschärfe doch sehr ungewöhnlich für den Jahrgang. Zurückerinnernd an die direkten Nachbarn wie Carmes Haut-Brion passt das schon sehr gut! Der Wein hat nicht ganz die erotische Opulenz des großartigen 2023er, geschweige denn diese Unendlichkeit vom 2022er. Aber es ist ohne Frage ein großer Wein. Schon sehr verblüffend! Ich bin sehr beeindruckt von diesem 2024er – tolles Ergebnis! *** Château Seguin liegt in Pessac-Léognan, also inmitten starker ozeanischer Klimaeinflüsse. Die typische Komposition der Böden ist hier ein Sand-Kies-Gemisch. Die Böden sind identisch mit denen der Nachbarn Haut-Brion, Carmes und La Mission Haut-Brion, das ist auch in historischen Büchern nachzulesen. Man findet hier minimale Einsprengsel von Lehm und Sand im Kies. Das Weingut umfasst 30 Hektar, die Reben stehen in Dichtpflanzung mit 7.000 Stöcken pro Hektar. Das ist sicherlich eines der Erfolgsgeheimnisse. Die Vergärung geschieht spontan, drei bis fünf Tage kalte Vormazeration, dann die Vergärung überwiegend im INOX-Stahl für 25 Tage. Die Malo dann im Holz. Der 12-monatige Ausbau erfolgt zu 75 Prozent in neuen Barriques, zu 25 Prozent in gebrauchten. Der Besitzer, Denis Darriet erzeugt den Erstwein nur aus den älteren Reben, die inzwischen über 30 Jahre sind. Trauben von sandigeren Böden gehen in den Zweitwein, jene von den Topböden, mit Kies und etwas Lehm, gehen in den Erstwein Seguin. Seit 2018 besitzt Château Seguin die höchste staatliche Zertifizierungsstufe im Bereich der Umweltkonformität. Der technische Direktor ist Xavier Moragues, der beratende Önologe Stéphane Derenoncourt.