Le Boscq besteht 2022 aus 47 Prozent Cabernet Sauvignon, 47 Prozent Merlot und sechs Prozent Petit Verdot. Satte Grafit-Veilchen-Lakritz-Nase. Sehr blumig, sehr dicht mit Cassis und Maulbeere, aber nicht aggressiv, sondern ganz fein. Schwarz und trotzdem spielerisch-leicht tänzelnd. Ohne, dass der Wein als Leichtgewicht rüberkommt – das hat schon aromatische Intensität, er ist nur nicht schwer oder rustikal, sondern sehr tänzelnd fein bleibend. Fast burgundisch – so etwas wie ein schwarzfruchtiger Morey-Saint-Denis. Dann ein sehr komplexer Mundeintritt mit Schlehe, Sauerkirsche, Lakritze und Nougat. Intensiv mit Veilchen und Grafit, druckvoll, aber überhaupt nicht fett. Die Tannine sind poliert, extrem seidig, der Körperbau mittel, Kraft ohne Fett aber mit viel Charme. Kein zu massiver Wein, sondern ein sehr harmonischer, komplexer, fruchtbetonter, samtiger Le Boscq. Uns seeehr archetypisch Saint Estèphe! Ein salziges Spiel, wieder mit viel Grafit und schwarzblauer Frucht im Finale. Das macht Freude! Es ist sogar besser als in den großen Jahren 2010 und 2016. Auch an 2020 kommt er knapp vorbei und er ist durchaus auf verdammt hohem Level. Zusammen mit Domeyne, Haut Marbuzet, Lafon Rochet und Capbern erster Verfolger von Phelan. Auf jeden Fall wieder ein toller Le Boscq! 96+/100 *** Château Le Boscq gehört zum Imperium der Thienot Champagner-Familie, zu dem auch Belgrave in Haut-Medoc und La Garde in Pessac-Léognan gehören. Auch einer der größten Négociant hier, CVBG, gehört zu diesem Imperium. Le Boscq ist spätestens seit 2009 und 2010 qualitativ im Bereich der Verfolger der Spitze angekommen, also oberes Mittelfeld. Natürlich sind Montrose, Cos d´Estournel und Calon Ségur in ihrer Spitzenstellung nicht gefährdet. Aber dann im Reigen der Zweiten von Lafon-Rochet bis Phélan Ségur, bis Meyney und eben Le Boscq, ist es ein echter Kampf und mittlerweile ein Gerangel überragender Domaines in dieser Appellation. Gerade in den warmen Jahren, die es ja durch den Klimawandel immer häufiger gibt, ist die hohe Reife gegeben auf einem grundsätzlich eher kühleren Terroir. Das ist dann schon ziemlich perfekt.