53 Prozent Merlot, 31 Prozent Cabernet Franc und 15 Prozent Cabernet Sauvignon. Die Merlot wurde bis Ende September gelesen, die Cabernet bis zum 14. Oktober. Die Besonderheit in 2024 ist der hohe Mehltau-Befall der Merlot. Ein erheblicher Anteil der Merlot von den Lehmböden war betroffen. Somit wurde der Cabernet-Anteil vom reinen Kalkstein im finalen Blend drastisch gesteigert. Die sonst 90% Merlot schrumpften von 90% auf 50%, das war im Nachhinein ein Segen in der Qualität den 24 ist ein grandioses Cabernet Jahr am rechten Ufer! Es gibt nur 20.000 statt 60.000 Flaschen, ein dramatischer Verlust. Schon die Farbe ist ungewöhnlich dunkel für den Jahrgang 2024. Reiches, dichtes Rubinrot mit schwarzen Reflexen. Die Nase ist untypisch La Fleur, weil es eben ein Cabernet Jahr ist. Zwar hat die Merlot noch knapp die Majorität im Blend, aber die Cabernet ist klar die Dominante in der Nase. Mit Cassis, sehr reifer roter Johannisbeere und reifer Waldhimbeere. Viel Druck! Dann kommt Schwarzkirsche und langsam auch die Merlot mit ihrer süßen Herzkirsche und Knubbelkirsche. Dann kommt wieder die Cabernet mit Sauerkirsche. In Summe eine aromatische, duftige, erotische Wolke! Eine der aromatischsten, duftigsten und opulentesten Weine, die ich Saint-Émilion bis heute probiert habe. Die Nase ist ein einziger dichter, aromatischer Fruchttraum mit feiner Mineralität dahinter. Der Mund ist deutlich feiner, geschliffener als die doch sehr ausufernde Nase. Hier im Mund sind wir deutlich auf Herzkirsche, Sauerkirsche, sehr reifer Johannisbeere und Waldhimbeere laufend, das Ganze mit feiner Lakritze unterlegt. Feine Salzspur, blumig mit Akazienhonig. Tolle rotfruchtige Aromatik zeigend! Und das Ganze mit hoher Intensität. Wenig Fett, eher poliert – mit mittlerem Körper und großer mineralischer Länge. Das ist kein fettes Teil, sondern nur ein sehr dichtes, konzentriertes Aromenwunder mit erstaunlicher Länge und total seidigem Tannin. Ein grandioses Leckerli wie es schon 2023 war, nur anders im Charakter. Jetzt mit mehr roter Frucht, mit mehr Cabernet. Und insgesamt feiner im Tannin. Zwei für mich große Jahrgänge hintereinander mit unterschiedlicher Charakteristik. Der 2024er ist sicherlich einer der bestgelungenen Saint-Émilion des Jahrgangs. Ich bewerte ihn demnach auch gleich zu dem 2023er, der einfach so eine wahnsinnig aromatische Dichte mit dem eingebauten Lecker-Gen hatte. Der 2024 ist letztlich auf dem gleichen Level, er geht aber mehr in die rotfruchtige Vibration und erotische Feinheit und Verspieltheit. 2024 ist hier eine kleine Offenbarung und ein leckeres Wunderwerk! *** ,La Fleur ist ein kleines Weingut in Saint-Émilion, zum gleichen Besitzer wie Château Dassault gehörend, eher unbekannt und schwer zu finden. 22 Hektar Rebfläche mit 25 Jahre alten Reben. Lehm auf Kalkstein. Seit Jahren ein Geheimtipp, weil er immer auf verschlungenen Pfaden in die Distribution geraten ist. Insider wissen mindestens seit 2008, was für ein großer Saint-Émilion das ist. Weil er immer so archetypisch ist und so viel Schliff und Feinheit hat. Das Weingut wird biologisch bewirtschaftet, aber es ist nicht zertifiziert. Die Trauben werden komplett entrappt, der 16-monatige Ausbau geschieht zu 45 Prozent im Beton, zu fünf Prozent in Amphoren und zu 50 Prozent in Barriques, davon 55 Prozent Neuholz.,