93 Prozent Merlot und sieben Prozent Malbec. Es gibt insgesamt 40.000 Flaschen in 2023. Der Ausbau geschieht in 50 Prozent neuen Barriques und 50 Prozent gebrauchten Holzfässern. Dem Jahrgang entsprechend hat La Croix eine extrem feine, schwarzfruchtige Nase. Fast nur schwarze Kirsche mit einer ganz feinen Lakritz-Spur und Nougat darunter. Aber sehr sauber und geradlinig definiert. Aus dem Baukasten – archetypische Definition! Etwas gelbe Frucht darunter. Im Mund gesellen sich rote Kirsche und Sauerkirsche dazu. Sehr schick bleibend, sehr seidiges Tannin, aber auch mehr Spannung kommt dazu, tolle Frische! Im Vordergrund stehen aber ohne Zweifel die Balance und die Harmonie. Der Wein hat eine erstaunliche Länge und rollt immer wieder hoch mit roter Frucht, mit roter Johannisbeere und etwas Sauerkirsche. Für Merlot und für Pomerol erstaunlich fein. Mit der großen salzigen Länge ist das trotzdem spannend und intensiv. Final ein ganz feiner Pomerol mit mittlerem Körper und guter Länge. Sehr saftig mit tollem Trinkfluss. Ein Zechwein voller Finesse… Nicht die Power aus 2022, das erinnert eher an 2019. La Croix 2023 bereitet große Freude! *** Château La Croix ist ein Weingut der Familie Janoueix. Jean-Philippe Janoueix ist persönlich verantwortlich für die Weinberge und den Keller. Berater ist Thomas Duclos. Es ist ein winziges Weingut mit 7,5 Hektar mitten in Catusseau, direkt neben Beauregard. Seit Ewigkeiten ein Geheimtipp. Schwer zu finden, da der Wein nicht über den Place Bordeaux läuft, sondern nur über wenige exklusive Importeure vertrieben wird. Das ist das klassische Old Fashion Weingut in Sachen Vinifikation. Aber das basiert natürlich auf dem Terroir. Früher wurden Sandböden in Pomerol verpönt, gerade in den 70ern und 80ern. In feuchten und zu kühlen Jahrgängen blieben die Weine von den Sandböden zu leicht und meist auch etwas grün. Erst im Lauf des Klimawandels stellte sich heraus, dass diese Böden hervorragend geeignet sind und sowohl grandiose Finesse hervorbringen als auch die Wärme und die Reichhaltigkeit der Jahrgänge. Die Weine von diesen Böden, wie jene von La Croix, dem Nachbar Beauregard, Château Mazeyres oder sogar Le Pin, ein in Steinwurfentfernung liegender Nachbar, bringen eine wahnsinnige Verspieltheit. Sie brauchen aber warme Jahrgänge. Seit 2015 gehören die Domaines von diesen Böden immer mehr zum Allerbesten der Appellation. Sandböden auf Kalkstein, so gut wie kein Lehm, nur etwas, aber kein schwerer Lehm. Die Reben sind im Durchschnitt 45 Jahre alt. Der Wein wird klassisch im Zement spontan vergoren. Nach der Gärung bleibt der Wein noch drei Wochen auf den Schalen. Der Ausbau geschieht nur zum Teil in neuem Holz, seit 2015 überwiegend in Stockinger Holzfässern von 1500 bis 2500 Litern, um weiter vom Holzeinfluss wegzugehen. Nur ganz vorsichtiges Pumpover während der Vergärung. Ab 2017 trat der neue Önologe in das Weingut ein, der zuvor auf Clinet sieben Jahre lang verantwortlich war. Ein ausgewiesener Großmeister der Finesse, was natürlich für La Croix perfekt passt. Das Weingut wird immer noch von den Eltern von Jean-Philippe bewohnt. Sie nehmen auch nach wie vor Einfluss auf die Vinifikation. La Croix ist ein fast reinsortiger Merlot, der allerdings teilweise bis zu fünf Prozent Malbec dabeihat.