Haut Brion: Chateau Haut Brion 1er Cru 2022

Chateau Haut Brion 1er Cru 2022

Limitiert

Holzkiste

Zum Winzer

Merlot 53%, Cabernet Sauvignon 35%, Cabernet Franc 11%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2035–2081
Verpackt in: 3er OHK
voluminös & kräftig
tanninreich
Lobenberg: 100/100
Falstaff: 100/100
Jeff Leve: 99/100
Vinum: 99/100
VVWine: 98–100/100
Gerstl: 20+/20
Frankreich, Bordeaux, Pessac Leognan
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chateau Haut Brion 1er Cru 2022

100
/100

53,6 Prozent Merlot, 35,4 Prozent Cabernet Sauvignon und 11 Prozent Cabernet Franc. Der große Bruder von La Mission Haut-Brion. Im Preis eher doppelt so hoch. Aber in der Realität ist La Mission in seiner unendlichen Feinheit in den vergangenen Jahren der überlegene Wein. Auch wenn der Haut-Brion der wahre Premier Cru ist. Dichte, reiche Brombeer-Cassis-Schwarzkirschnase. Hochintensiv mit Lakritze und dunkler Schokolade, auch viel Veilchen und allgemein viel Wucht ausstrahlend. Aber in Summe mit einer grandiosen Harmonie. Bei längerer Betrachtung wird die Nase immer intensiver. Eine Wucht in Feinheit, wenn es sowas gibt. Das Gleiche im Mund: Dramatisch mehr Frucht als La Mission, viel voluminöser, reicher und fetter, trotzdem spielerisch-leicht. Für mich persönlich ist der La Mission genau wie der Carmes Haut-Brion in diesem Jahr von mehr Fett nicht zu schlagen. Trotzdem attestiere ich Haut-Brion, ein ganz großer Wein zu sein und womöglich einer der größten oder gar der größte Wein in der Geschichte des Weinguts. 100/100 *** Château Haut Brion ist im Besitz der amerikanischen Familie Dillon. Seit dem Jahre 2001 ist Prinz Robert von Luxemburg, ein Urenkel Dillons, für die Leitung des Châteaus verantwortlich.

Jahrgangsbericht

2022 hatte den trockensten Sommer in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen und war insgesamt das heißeste Jahr seit 1947. Nicht so extrem und plötzlich heiß wie 2003, eher harmoniefördernd gleichmäßig warm und eben sehr trocken. Nachdem im November und Dezember 2021 satt Regen fiel, blieb es in den Folgemonaten trocken und warm. Die Reben konnten sich also bei gleichmäßiger Blüte langsam an die Trockenheit gewöhnen. Die Terroirs mit den besten Wasserspeicher-Eigenschaften und den sehr tief wurzelnden alten Reben konnten das Wasser-Reservoir des Winters und Frühjahrs nach früher und sonniger Blüte relativ problemlos durch den trockenen Sommer nutzen. Regen gab es erst wieder im Juni und dann in der zweiten Augusthälfte mit 30 bis 50mm. Danach blieb es sonnig und trocken mit einem langen »Indian Summer« bis weit in den Oktober und sogar November. Jeder konnte auf den perfekten Erntezeitpunkt warten, zumal es dank sommerlicher Stillstände keinen Zucker-Alkoholdruck gab. Wer mit alten Reben und perfekten Terroirs dann noch verschont wurde vom jährlich zunehmendem April-Frost und vom allzu häufigen Hagel des Frühsommers, konnte sich gerade als biologisch arbeitender Winzer über das, ob des Klimas, vollständige Ausbleiben von Fäulnis und Pilzkrankheiten freuen. Niemand musste auch nur irgendwas spritzen. Für Bio-Winzer mit alten Reben und superbem Terroir war 2022 ein so noch nie erlebtes, perfektes Jahr, zumal man sich über die vergangenen 10 extremen Jahre an die besser angepasste Laub- und Bodenarbeit gewöhnt hatte. Saint Emilions und Castillons Kalksteinfelsen, Pomerols und Fronsacs Lehmböden und die dicken Kieslinsen des Medocs hatten bei sehr altem Rebbestand bis auf den Malus kleinerer Erträge kaum Sorgen. Weniger, aber ein überragend intensiver Saft aus kleinen, dickschaligen, kerngesunden Beeren. Aromatisch frischer Most, tiefes und zugleich delikates Tannin, dazu eine überragende Balance. Junge Reben und sandige Böden litten allerdings extrem, da gab es hier und da schon desaströse Ergebnisse. Besonders profitiert haben, neben den o.g. perfekten Böden dazu am linken Ufer, die in sehr nassen Jahren benachteiligten Fluss- und Ufernahen Terroirs des Medocs, des nördlichen Haut Medocs und Saint Estèphes. Die meisten Winzer vergleichen 2022 mit 2018, allerdings war 2022 überwiegend noch deutlich konzentrierter und reicher in der Frucht, vibrierender, cremiger und trotz der extremen Reichhaltigkeit erstaunlich frisch, seidig und harmonisch, das erinnert auch an das Traumjahr 2016. 2022 ist nicht so extrem pikant wie das Hammerjahr 2019 und nicht ganz so tänzelnd finessenreich wie der 2020er. Winzer mit langer Erfahrung sprechen eher von einer deutlich perfekteren Reinkarnation der Jahrgänge 1982, 1961 und 1949. Jean-Philippe Janoueix, eine Instanz am rechten Ufer und Besitzer vieler Châteaux in Pomerol, Saint Emilion und Castillon sagt: »2022 is the more concentrated version of 2018. With deep acidity and rich, soft masses of tannin, 2022 is the much better and long-lived resurrection of the great 1982 and 1961.« Und das mit größerem Know-how, optimaleren Weinstöcken, niedrigeren Erträgen je Stock, besserer biologischer Weinbergsarbeit, dramatisch präziserer Selektion vor der Kelter (Laser und Wasserbad) und einer kenntnisreicheren Kellertechnik als vor vierzig Jahren. Ohne Zweifel ist 2022 also ein historischer Jahrgang. Fakt ist, dass trotz der wohl berechtigten Jubelschreie der allerbesten Winzer das Jahr 2022 auf Kante genäht ist. Junge Reben und nur mittelgute und schwächere Terroirs, und das ist nun mal mit Abstand der Großteil des Bordelais, haben in nassen und noch mehr in solch trocken-heißen Jahren ganz schlechte Karten und üble Zukunftsaussichten. Und leider werden die Jahre trotz einiger, klassischer Ausnahmen wie das Bordelaiser »Normaljahr« 2021 im Schnitt immer extremer. Die wenigen, strahlenden Topwinzer der Appellationen glänzen ob der extraterrestrischen Qualitäten mehr denn je, die große Masse bleibt auf der Strecke. Die Spitze der Pyramide wird noch schmaler und zugleich noch höher. 2022 ist für die Superstars jeder Appellation ein so noch nie dagewesener Qualitätstraum, aber wo soll das für die breite Basis enden? Spanien findet den Ausweg aus den immer extremeren klimatischen Wetterkonditionen in 800 bis 1200 kühlen Höhenmetern, aber wie sieht – neben den weiter vorwärts stürmenden Superstars – die Zukunft des Bordelaiser »Normalwinzers« auf NN aus?

100
/100

Falstaff über: Chateau Haut Brion 1er Cru

Tiefdunkles Rubingranat, opaker Kern, violette Reflexe, zarte Randaufhellung. Reife Nuancen von Cassis, dunkle Herzkirschen, zart nach Nugat, Bergamotte und kandierte Orangenzesten, facettenreich wie ein Pfauenrad. Saftig, feine rotbeerige Nuancen, ein Hauch von Kirschen und Karamell, sehr lebendig, lässt seine Kraft nicht einmal im Ansatz erahnen, ein Wein von enormer Länge und großer Verführungskraft, nie war ein Haut-Brion jemals zuvor in einem so frühen Stadium derart anziehend. Einfach sensationell. 100/100

99
/100

Vinum über: Chateau Haut Brion 1er Cru

Im Vergleich zu En Primeur deutlich offener, sehr tiefgründig, wunderbar floral, viele Veilchen, dunkle Beerenfrucht, Ingwer und Schwarztee; am Gaumen von grösster Eleganz, der Wein zeigt Dichte und Struktur, verfügt über feinkörniges Tannin und eine Finesse, die seinesgleichen sucht. Wird in jeder Phase seines Lebens Spass machen.

Verkostungsnotiz
98–100
/100

VVWine über: Chateau Haut Brion 1er Cru

Diese Nase, anfangs verhalten, entwickelt sich mit Luft (...) super floral, das ist ein Korb von Veilchen, dazu dunkle und rote Beeren, exotische Gewürze, Ingwer, Minze, ein umwerfender Duft. Im Gaumen super präzis, dicht, mit knackiger, saftiger Frucht, umhüllt von feinkörnigen Tanninen, diese sind von qualitativ höchster Güte, der Wein hat sehr viel Druck und zeigt gleichzeitig eine Finesse, die seinesgleichen sucht. Ob man nun La Mission oder Haut-Brion bevorzugt, wird in diesem Jahr besonders schwierig sein, zu entscheiden sein, denn beide Weine spielen in der höchsten Liga. 98-100/100

20+
/20

Gerstl über: Chateau Haut Brion 1er Cru

Das ist atemberaubende Tiefe, ein Duft aus Leder, Tabak, schwarzen Trüffeln und einem Hauch Eukalyptus, eher dezent begleitet von edler, schwarzbeeriger Frucht. Das zaubert mir eine vibrierende Gänsehaut auf den Rücken. Das ist bombastische Konzentration, gegenüber dem schon betörenden Clarence nochmals eine ganz andere Nummer. Jetzt verstehe ich den Unterschied zum Zweitwein – und auch, dass er im Gegensatz zum Grand Vin schon jung praktisch sein gesamtes Potenzial ausspielen wird. Auch der Haut-Brion wird jung schon viel Vergnügen bereiten, aber um ihn in seiner vollen Grösse zu erleben, braucht man schon einige Jahre Geduld. Ich sauge dieses Erlebnis in mich auf und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus, das berührt mich zutiefst. Ich glaube nicht, so etwas als Fassprobe schon einmal erlebt zu haben (ausser beim Lafite 2022). 20+/20

Mein Winzer

Haut Brion

Château Haut Brion ist im Besitz der amerikanischen Familie Dillon. Seit dem Jahre 2001 ist Prinz Robert von Luxemburg, ein Urenkel Dillons, für die Leitung des Châteaus verantwortlich. Mit Jean Delmas konnte er einen der besten Önologen der Welt verpflichten. Delmas bevorzugt eine kurze und sehr...

Chateau Haut Brion 1er Cru 2022