Dieser Wein wächst zu 100% auf der Côte Brune-Seite des Côte Rôtie-Berges, nur auf Schieferlagen. 100% unentrappte Ganztraubenfermentation, Ausbau zu 30% im neuen Barrique, 70% in einjährigen Barriques. Unfiltrierte Füllung. Schiefer ergibt, wie wir wissen, eine völlig andere Würze als Granit. Den Unterschied kann man sehr gut bei Stephan Ogiers Lancement sehen. Das ist Granit in einer unendlichen, rotfruchtigen Feinheit und dagegen seinem Belle Helene, mit viel mehr Power und Würze. Louis Barruol macht seit so vielen Jahren einen der besten Côte Rôtie. Er arbeitet immer mit den gleichen Winzern zusammen. Das ist ein Modell wie es Michel Tardieu auch betreibt, und wenn diese Kombination über Jahrzehnte passt, ist das eben großes Kino. In 2020 ist es nochmal ein deutlicher Sprung des Saint-Josephs. Bei Tardieu war der Unterschied zwischen Côte Rôtie und Saint-Joseph zwar existent, aber nicht so dramatisch wie hier bei Saint Cosme. Die typische Côte-Rôtie-Nase: verbranntes Fleisch und Gummi, was natürlich auch am zum Teil neuen Barrique liegt. Aber so dicht, floral und schwarz. Schwarze Kirsche und Maulbeere, reich und dicht, trotzdem sehr fein. Da ist nichts Raues, nichts Rustikales, nichts Unreifes, aber auch nichts Fettes. Der Mundeintritt widerspiegelt genau das – unendlich fein. Was für ein schicker Côte Rôtie! Poliert und tänzelnd, die Tannine sind reichlich vorhanden, aber sie sind nicht spürbar, sie sind seidig verwoben. Was für ein feines Spiel von roter und schwarzer Frucht, von satter Mineralität. Salz am Ende. Aber das Ganze bleibt auf der komplett hedonistischen und spielerischen Linie. Ein Leckerli in ganz großer Klasse. Der Wein bleibt in seiner feinfruchtigen Verspieltheit und aromatischen Intensität für zwei Minuten am Gaumen. Louis Barruol hat in diesem Jahr keine Blockbuster erzeugt, sondern einfach nur verspielte kleine Meisterwerke. Ein Traum von Wein, eine große Freude in diesem floralen und verspielten Finesse-Teil. Sehr schick! 95-97/100