Clos Manou besteht 2024 aus 50 Prozent Cabernet Sauvignon, 44 Prozent Merlot, fünf Prozent Petit Verdot und ein Prozent Cabernet Franc und hat 12,7 Volumenprozent Alkohol. Es gab hier 2024 keinen Mehltau und auch keine Verrieselung. Der Ertrag lag ganz normal bei 50 Hektolitern pro Hektar. Späte Lese, die Cabernet wurde bist 10. Oktober geerntet. Clos Manou 2024 kommt mit seiner typischen, unikathaften Nase vom speziellen Kies-Terroir hier oben im Medoc. So puristisch und rein. In der Nase Holunder und Maulbeere, sehr feine und gleichzeitig dichte Lakritze, Salbei und provenzalische Kräuter. Sehr charmant im feinen Duft und dazu sehr opulent in der Frucht, aber auf keinen Fall fett, sondern eher dem Jahrgang 2024 im filigranen Angang entsprechend. Seidig und samtig bleibend, schon in der Nase eine tolle Salzspur. Dann ein total aromatischer Mund, so ein Ansturm an Fruchtaromatik! Auch hier wieder stark Richtung Holunder laufend, dazu Maulbeere, ein bisschen Cassis, rote Johannisbeere und Sauerkirsche mit salziger Karamelle. Untypisch und eigenwillig, wie Clos Manou immer ist. Verglichen mit dem davor probierten Château Carmenère, der Nachbar im Médoc, ist Clos Manou deutlich konzentrierter, obwohl auch hier die Tannine total seidig sind. Nichts ist rau, alles ist reif. Trotzdem ist es kein normaler Clos Manou, dafür ist er einfach zu fein, zu verspielt. Die hohe Aromatik mit dem hohen Salzgehalt hinterlässt bleibenden Eindruck für mindestens zwei Minuten. Das ist ein Kracher, aber ein Kracher nur in Feinheit und Frucht und Eleganz! 2023 war deutlich opulenter, charmant erotisch umarmender und voluminöser, 2022 war Stéphanes Klassiker für lange Jahre im Keller. 2024 ist aber im Grunde das, was wir als Trinker wollen: Hochintensiv, mineralisch, fruchtig, aromatisch und trotzdem ultrafein im seidigen Tannin und im unanstrengenden Trinkfluss. Ein Wein für die sofortige Freude! *** Das kleine Weingut Clos Manou liegt im äußersten Norden des gesamten Médoc-Gebiets, weit nördlich von Saint Estèphe. Der Nachbar ist Chateau Haut Maurac. Auch Château Carmenere liegt nicht weit entfernt. Clos Manou wird vom Besitzer Stéphane Dief persönlich bearbeitet. Zwar in einer nicht zertifizierten, aber extrem biologischen Weinbergsbearbeitung, mit winzigen Erträgen. Dichtpflanzung von über 10.000 Stöcke pro Hektar. Ertrag pro Pflanze unter 500 Gramm, winzige Träubchen, sehr tief und nahe am Stamm. Bei 10.000 Stöcken nur 40 Hektoliter pro Hektar, da bleibt nicht viel pro Stock. Wenn man die Arbeit im Keller sieht, die Stephan durchführt, wird einem schwindelig ob dieses wahnsinnigen Einsatzes. Er hat spezielle Rütteltische zur Entrappung, inzwischen sogar optische Laser-Nachsortierung der Trauben. Ausgebaut wird im Barrique und in Ton- und Betonamphoren. Er macht auch einen Zweit- und einen Drittwein. In diesen Erstwein geht also nur das allerbeste Material. Hier wird nichts unversucht gelassen. Stéphane ist ein echter Fanatiker der Qualität. Und wäre es nicht Haut-Médoc, sondern Pauillac, wären seine Weine, zusammen mit Pontet-Canet, immer im 100-Euro-Bereich. Das ist seit vielen, vielen Jahren großes Kino und wird auf Grund der Randlage und zahlreicher »nur Etikettentrinker« total unterbewertet. Clos Manou kann man seit den Jahren 09, 10 und vielleicht schon ab 05 nicht mehr mit den normalen Vergleichsmaßstäben des Médoc und Haut Médoc werten. Wer schon mal auf dem Château war, wer gesehen hat wie in dieser Dichtbepflanzung mit den winzigsten Erträgen pro Stock einfach diese extrem feinen Finesseweine gewonnen werden, die gleichzeitig diese irre Spannung aufweisen, der nimmt Abschied von der Klassifikation von Bordeaux. Es geht nämlich am Ende nicht um alteingesessene große Namen, es geht um Rebbestand, es geht um Terroir, das seit der Hinwendung zum mediterranen Klima hier im Haut-Médoc einfach perfekt geeignet ist. Es geht um die Böden, es geht um die Arbeit. Es gibt rund 65.000 Flaschen von diesem Wein.