Der 2023er Carmenere setzt sich zu 75% aus Cabernet Sauvignon, 18% Carmenere und 7% Merlot zusammen. 13,5% Alkohol. Carmenere sind fünf Hektar Weinberge auf sandigen Kiesböden, 8.500 Reben pro Hektar. Im Schnitt über 40 Jahre alte Reben. 45 Hektoliter Ertrag in 2023, im Ergebnis sind das etwa 30.000 Flaschen Erstwein. Betörende, reife Nase geprägt von viel reifer Zwetschge, dunkler Wilderdbeere, Waldbeeren in allen Nuancen. Creme de Cassis, Nougat und sogar etwas gedörrte Aprikose dahinter. Insgesamt ein sehr einladendes, dunkelsaftiges Bouquet, was nochmals durch feine florale Akzente komplettiert wird. Am Gaumen mit sehr guter Dichte und guter Struktur, Tannine sind spürbar vorhanden, sie kommen aber enorm schmelzig daher. Rassige Eleganz, gute Spannung, viel Graphitmineralität im Nachhall. Zum Schluss kommt noch etwas Brombeere mit Schwarzkirsche hoch. Der Wein kommt mit einer Spannung daher, die ich so gar nicht erwartet hätte. Ein feiner Carmenere mit erstaunlicher Rasse und Tiefe, hier kann man definitiv von einem unerwartet großen Erfolg sprechen! *** Das junge Ehepaar Barraud von Château Carmenère arbeitet auch bei anderen Weingütern. Richard ist Weinbergsmanager von Château Haut Batailley in Pauillac. Die beiden Enthusiasten haben ihre 3,5 Hektar Rebberge im Médoc, nördlich von Pauillac, erst 2006 in Betrieb genommen. Château Carmenère, im obersten Bereich des Médoc gelegen, ist in zwischen seit einigen Jahren im Besitz einer optischen Nachsortier-Maschine, die im obersten Qualitätsbereich im Bordelais schon lange bekannt ist. Lasergesteuert, mit Luftschuss-Aussortierung. Diese gebrauchte Maschine kommt von Ducru-Beaucaillou, dort hat man sich neuere Technik gekauft. Das führt zusätzlich zur händischen Auslese zu weiteren 10 Prozent Ausschuss nicht vollreifer Beeren. Die Perfektion schreitet bei Richard immer weiter voran. Er ist im Grunde ein ähnlicher Extremist wie Stephane Dief auf Château Clos Manou. Extreme Weinbergsarbeit in Verbindung mit einer extremen Handauslese mit nachträglicher optischer Auslese. Einer der absoluten Superstars und trotzdem völlig unbekannt. Das Weingut arbeitet im Keller und im Weinberg voll biologisch. Beraten wird es vom besten Önologen des ganzen Médoc, Eric Boissenot, der auch alle Premier Crus berät und betreut. In der Assemblage ist auch immer ein Anteil Carménère enthalten, eine Rebsorte, die diesem Weingut seinen Namen gibt. Sie bringt eine ungeahnte Würze und Authentizität mit sich. Die Weine aus der Rebsorte sind speziell, spezifisch und ausdrucksstark, insgesamt bei den Winzern jedoch nicht so beliebt, da Ertrag und Beeren sehr klein sind. Carménère ist tanninreich und vor allem ausdrucksstark. Die Qualitätsfetischisten stehen auf die Rebsorte.