Braida: Barbera d’Asti Montebruna 2022

Braida: Barbera d’Asti Montebruna 2022

Barbera 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2035
fruchtbetont
pikant & würzig
voluminös & kräftig
Lobenberg: 93/100
Suckling zu 2021: 91/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barbera d’Asti Montebruna 2022

93
/100

100 Prozent Barbera im Stahltank vergoren und anschließend ein Jahr lang in großen Holzfässern ausgebaut. Der Wein steht in tiefem, eleganten Rubinrot im Glas, die dicken Tränen am Glasrand sind Vorboten der üppigen Intensität im Glas. Die Nase ist dicht und von erdiger Würze geprägt. Kirschen in allen Formen und Farben, von reifer, saftiger Schwarzkirsche, Schattenmorellen und Herzkirschen hin zu Maraschino-Kirschen und würziger dunkler Schokolade. Im Grunde genommen ist das eine Schwarzwälder Kirschtorte in Weinform! Warmer Teer, Kerzenwachs, blonder Tabak und ein Hauch Salzlakritz, Gewürznelken, japanische Birke und mit Milchschokolade überzogene Kaffeebohnen. Schon die Nase ist intensiv, druckvoll, schiebend und erhaben. Mit etwas Zeit im Glas kommen getrocknete reife Himbeeren, Trockenpflaumen und etwas Potpourri hinzu. Ein kleiner »Barbera-Amarone«. Im Mund kommt dann mit knackiger, erfrischender Sauerkirsche, Schlehen und Hibiskusblüten die Abkühlung! Die feinkörnigen Tannine werden im Glas nach wenigen Minuten samtig und geben diesem Montebruna das Zeug, mit den kräftigsten Speisen mitzuhalten und beispielsweise ein Ribeye Steak spielend zu zerlegen. Wieder Salzlakritz, würziges Zedernholz. Im Nachhall knallt die Schwarzkirsch-Veilchen Kombi mit dezent bitteren Kräuteraromen von Thymianblüten und Rosmarin nochmal auf den Gong! Der kleine Bruder des Bricco dell’Uccellone flext die Muskeln – was für ein Powerteil im Glas!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

Mein Winzer

Braida

In vielen piemontesischen Weingütern hatte der Barbera zusammen mit dem Dolcetto eher die Rolle des kleinen Alltagsweins eingenommen. Giacomo Bologna hat mit Braida ein Umdenken angestoßen, Meilensteine gesetzt und dem Barbera auf Grand Cru Niveau zu Weltruhm verholfen.

Barbera d’Asti Montebruna 2022