Weingut Eymann: Rosé No. 422 Brut

Weingut Eymann: Rosé No. 422 Brut

BIO

Neu

Zum Winzer

Pinot Noir, Chardonnay
rosé, trocken
Flaschengärung
Perlend
12,0% Vol.
leicht & frisch
fruchtbetont
Lobenberg: 94+/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Rosé No. 422 Brut

94+
/100

Der Rosé Brut wirkt vom ersten Moment an unglaublich fein und präzise. Kein bonbonhafter Frucht-Rosé, kein laut aromatischer Schaumwein, sondern eher kühl, salzig und burgundisch gedacht – aber dabei trotzdem zugänglich, niemals verkopft! Pinot Noir und Chardonnay stammen aus eigens für die Sektherstellung angelegten Anlagen mit Selection-Massale-Material aus der Champagne. Früh gelesen, spontan im Holz vergoren und ergänzt durch Reserveweine aus der seit 2015 aufgebauten Solera. Das Hefelager von etwa 30 Monaten bringt zusätzliche Tiefe und Struktur, ohne den Wein jemals schwer wirken zu lassen. Schon die Nase besitzt eine faszinierende Mischung aus Frische und subtiler Reife. Zerdrückte Walderdbeeren, rote Johannisbeere und Grapefruitschale verbinden sich mit frischer Brioche, gerösteten Mandeln und einem Hauch Blätterteig. Dahinter kommen getrocknete Orangenzeste, feine Gewürznoten und etwas salziger Kalkstein hervor. Mit Luft wirkt der Wein immer kühler und mineralischer, fast ein wenig kreidig. Alles bleibt unglaublich elegant und fein dosiert. Am Gaumen tänzelt der Sekt zunächst fast schwerelos an, baut dann aber erstaunlich viel Druck und Länge auf. Die Perlage ist cremig und gleichzeitig unglaublich lebendig. Die rotbeerige Frucht wirkt herb und präzise, nie süßlich oder verspielt. Dazu kommen Blutorange, Hagebutte und ein leicht rauchiger mineralischer Kern. Der Chardonnay bringt Frische und linearen Zug, während der Pinot Noir für Tiefe und diese ganz feine würzige Wärme sorgt. Besonders schön ist die salzige, fast kalkige Spannung im Nachhall, die dem Wein enorme Trinkigkeit verleiht. Er lebt weniger von Opulenz als von Balance, Energie und Textur. Ein sehr erwachsener, charaktervoller Rosésekt mit burgundischer Anmutung, enorm feiner Mousse und viel mineralischer Spannung. Elegant, animierend und trotzdem ernsthaft. Genau diese Mischung macht ihn so stark.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

Mein Winzer

Weingut Eymann

Wer heute in der Pfalz von biodynamischem Weinbau spricht, kommt am Weingut Eymann kaum vorbei. Was Anfang der 1980er-Jahre hier und da noch als »Exotenprojekt« belächelt wurde, ist längst zu einem festen Bezugspunkt für naturverbundenen Spitzenwein geworden.

Rosé No. 422 Brut