Seckinger: Riesling 1 Tal Große Lage 2022

Seckinger: Riesling 1 Tal Große Lage 2022

BIO

Limitiert

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2042
frische Säure
mineralisch
unkonventionell
Lobenberg: 97/100
Parker: 93+/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling 1 Tal Große Lage 2022

97
/100

»1 Tal« ist kein Fantasiename, sondern tatsächlich der Name einer nur 0,5 Hektar kleinen Einzellage, die in einem Seitental zwischen den Deidesheimer Lagen Mäushöhle und Petershöhle liegt. Geprägt von rotem und gelbem Sandstein. Sie ist nicht klassifiziert, da sie viele Jahre lang immer zu kalt war, weshalb die Trauben hier häufig nicht perfekt ausreifen konnten. In Zeiten des Klimawandels sind diese Lagen aber dann natürlich bevorteilt; hier ist es heute warm genug und gleichzeitig auch kühl, da 1 Tal fast durchgehend beschattet ist. Das lässt ausgereifte Weine entstehen, die aber immer frisch, ultrapräzise und kühl wirken. Die Säuren sind immer hoch, weshalb die Seckingers jedes Jahr quasi gezwungen sind, eine Maischestandzeit durchzuführen. Beim 22er waren es drei Tage Maischestandzeit. Danach folgte der Ausbau im zweitbelegten Tonneaux. Die Nase ist schon so ultraklar, kühl und reduktiv. Überhaupt nicht leise, durchaus expressiv und fast schon fordernd in dieser Spannung aus Feuerstein, Austernschale, Meeresbrise, zerstoßenem Kalkstein und dezenter Zitrusfrucht. Mandarinenschale, reife Zitrone, gelber Apfel und Aprikose. Etwas offener als 2021, nicht ganz so extrem puristisch und mit einem Hauch mehr Frucht. Am Gaumen dann gewohnt karg und zupackend. Purer Geradeauslauf auf der Säurespur, die als Gegenspieler für die immense, salzige Mineralität und das griffige Gerbstoffgerüst herhalten muss. Wow, hier geht wirklich die Post ab! Vibrierend und so voller Spannung, vor Mineralität berstend. In Salz gerollte Amalfizitronen, wieder etwas gelber Apfel. Die dichte, kristalline Säure läuft immer wieder an den Zungenrändern entlang. Großartige Länge, geniales Spiel aus verschiedensten Texturen. Das ist ein wirklich großer Riesling auf absolutem Top-Niveau! So eigenständig und komplex, ganz stark! 97/100

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

93+
/100

Parker über: Riesling 1 Tal Große Lage

From a small plot between the Deidesheim sites Am Kirchenberg and Petershöhle and from 40-year-old vines rooting deep in red and yellow sandstone soils, the 2022 1 Tal Riesling shows a golden-yellow color and opens with a pure yet deep, intense and very mineral bouquet of ripe and concentrated yellow fruits intertwined with salty, stony and still untamed notes. Flinty, lean and fresh yet also intense and full-bodied on the palate, this is a tight, fresh and citric, very elegant and finely tannic Riesling with substance, persistent salinity and tension. This exciting Riesling cannot be sold as cru because it's from two single-vineyard sites, but it has the personality of just one. The blend makes sense. 12% stated alcohol. Natural cork. Tasted in July 2024.

Mein Winzer

Seckinger

Kompromisslos trockene, naturbelassene Weine mit sehr eigenständiger Handschrift – dafür stehen die Weine von Seckinger aus Niederkirchen bei Deidesheim. Die drei Brüder interpretieren das Terroir auf ihre Art avantgardistisch, wobei die Weine aber im Kern stets echte »Pälzer« bleiben. In der...

Riesling 1 Tal Große Lage 2022