Saint Joseph Lieu-dit Saint Joseph 2021

Ferraton Pere et Fils

Saint Joseph Lieu-dit Saint Joseph 2021

pikant & würzig
frische Säure
strukturiert
98–99
100
2
Serine 100%
5
rot
13,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2052
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 98–99/100
6
Frankreich, Rhone, Nordrhone
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Saint Joseph Lieu-dit Saint Joseph 2021

98–99
/100

Lobenberg: Saint-Joseph ist 2021 in Summe einfach eine geniale Appellation. Wir hatten das bei Tardieu, aber auch der Les Granits und der Le Clos bei Chapoutier waren sensationell. Nicht anders fällt dieser Lieu-dit Saint-Joseph aus: Dichte, reiche, extrem aromatische und köstliche Nase mit einer wunderbaren Süße, mit Grafit, Holz und Tabak. Feine Lakritze darunter, Eukalyptus und Minze. Ziemlich viel Schub aus Orangenblüten und Veilchen. Vor lauter Charme treten einem Tränen in die Augen. Unendlich schick! Im Mund so pikant, mir einem Wechselspiel aus süßer roter Frucht und dieser wunderbaren Frische und Säure. Grandios! Immer saftig und reich bleibend, dabei aber auch immer elegant und seidig. Auf jeden Fall voluminöser als Bonneveau. Das gehört zum Besten in der Appellation Saint-Joseph, ganz ohne Zweifel. So schick und gleichzeitig so saftig und hedonistisch. 98-99/100 *** Der Lieu-dit Saint-Joseph gehört in die sogenannte Sélection Parcellaires, also zu den besten Weinen von Ferraton. Es ist die mit Abstand berühmteste und beste Lage in Saint Joseph, alle Toperzeuger wollen hier etwas haben. Natürlich bei Ferraton biodynamisch. Die Exposition des Lieu-dit Saint Joseph ist Südost. Der Wein wächst zu 100 % auf Granit. 100 % Syrah oder Serine, wie die uralte kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Trauben werden komplett entrappt. Vergoren wird spontan im Beton. Danach wird ganz sanft abgepresst, überwiegend nur der Free Run Juice verwendet. Der Wein bleibt bis zum Frühjahr auf der Feinhefe. Der Ausbau geschieht im Tonneau mit einem relativ hohen Anteil Neuholz in 2021. Insgesamt gibt es nur 800 Flaschen.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Ferraton Père et Fils

Samuel Ferraton, Vertreter der vierten Generation im Weingut, gab 1998 dem Haus einen neuen Impuls durch eine finanzielle Partnerschaft mit dem Haus Chapoutier bei gleichzeitiger Wahrung der qualitativen Unabhängigkeit.