La Serra ist die höchste Lage von Voerzio in La Morra, auf 400-420 Metern Höhe direkt am Ortsausgang Richtung Barolo in Südost-Exposition. Schon auf 8.000 Stöcke je Hektar aufgestockt – die Reben in La Serra wurden 2007 und 2008 komplett neu gepflanzt. Insgesamt hat das Weingut hier circa 3,5 Hektar Reben. Die Böden sind hier extrem karg, 70 Prozent bestehen aus Kalkstein und Felsen. Entsprechend der Höhe und der Sonnenexposition ist der La Serra der feinste und verspielteste Wein von Voerzio. Er wird ob seiner Zartheit oft unterschätzt, ist jedoch in warmen, runden Jahren aufgrund seiner Feinheit und hohen Säure der beste Wein von Voerzio, zumindest aus meiner Sicht und aus der Sicht des Winzers. Jede Pflanze, also jeder Weinstock, bringt bei Roberto Voerzio nur unter 500 Gramm Beeren aus maximal 5 winzigen Trauben. Nur die fünf stocknahen Trauben werden belassen, und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte der Traube (mit der höheren Säure) vorsichtig weggeschnitten. Diese Ertragsreduzierung soll aber nicht die Intensität erhöhen, sondern saftige Frucht mit genialer Balance erreichen. Wahrscheinlich ist Voerzio der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf Zehntausend je Hektar zu erhöhen. Das erfolgt nach und nach und wird mit Sicherheit auch noch Aufgabe der Folgegeneration um Sohn Davide Voerzio bleiben. Natürlich erfolgt hier die Arbeit vom Weinberg bis zum Keller biologisch-organisch (nicht zertifiziert, das Ansehen der italienischen Zertifikate ist wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert). Nur Spontanvergärung. Wie alle Weine Voerzios 100 Prozent entrappt und für zwei Jahre in burgundischen Fässern aus sehr dicht-porigem Holz, das minimal getoastet wurde, ausgebaut. 20 bis 25 Prozent der Fässer sind neu, der Rest wurde maximal sechs Mal befüllt. Bei so extrem geringen Erträgen ist die Traubenreife deutlich schneller als bei Standardbetrieben, i.d.R. gibt es hier 3 Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in anders verlaufenden Jahren eine höhere Reife und Komplexität. Auch liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife die Säure immer höher. Seine Weine sind immer zugleich reif und extrem frisch. Leuchtendes Rubinrot. Intensiv samtige, cremige Kirsch-Nase mit wilder Beerenfrucht, ätherischer Kräuterwürze, duftendem Heu, einem Hauch Marzipan, weißen Mandeln und Orange, auf reifer Erdbeere. Im Mund ist hier saftige Intensität angesagt. Mit diesem Hammer Mundeintritt hatte ich nach der verspielten, finessenreichen Nase nicht gerechnet! Zunächst rollen rote und schwarze Kirschen mit Brombeeren über die Zunge. Dann kommt diese intensive Salzigkeit – eine absolut monumentale Mineralität! BANG! Sie legt sich sogar noch über die griffigen Tannine des großen Jahrgangs 2021. Im Mund merkt man die Höhenlage ganz klar an der absoluten Killer-Präzision der Tannine und der frischen Säure. Schon ein ziemlich abgehobener Barolo! Aromatisch duftende Kräuter klingen würzig minutenlang mit etwas Orangenabrieb und roter Kirschfrucht nach. Was für ein Drama im Glas. Absolut fantastisch!