Der Turmberg ist die steilste Lage vom Weingut Robert Weil, hinter dem Gräfenberg gelegen. Es handelt sich hier um grauen Phyllitschiefer, fast pur mit nur wenig Erdauflage, ein sehr karger Boden. Der benachbarte Gräfenberg hat mehr Löss- und Lehmanteile, die dem ganzen mehr Power verleihen. Turmberg ist immer der kargere, schlankere und ziseliertere Wein. Gräfenberg mag erhabener und vielleicht auch irgendwann wenn man in Jahrzehnten spricht auch langlebiger sein, aber Turmberg hat einfach diese fesselnde Mineralität, die sich am Gaumen festbeißt und nicht mehr loslässt. Es ist fast immer der faszinierendere, elegantere Wein, ohne die Tiefe des Gräfenberg zu erreichen. Nach einem erneut historisch trockenen und sehr sonnigen Sommer, kamen Regenfälle gegen Herbst. Die Spätlesen 2023 sind entsprechend komplett botrytisfrei, entstanden vor allem aus hochreifen bis überreifen Beeren und am Stock angetrockneten Trauben. Das Team war fleißig in den Weinbergen unterwegs und hat komplett biologisch gearbeitet, die Zertifizierung folgt demnächst. Die restsüßen Weine von 2023 sind enorm faszinierend, weil sie so glockenklar sind und dennoch so viel Expressivität, Druck und Exotik mitbringen. Wahnsinnig intensiver Duft von hochreifem Pfirsich, Grapefruit, süße marokkanische Minze, Litschi und Melone. Köstlich! Eine Spätlese gebaut für Jahrzehnte mit gewaltigem Anschub gepaart mit dieser extrem hintersinnigen, feinen Mineralität des Turmbergs, die immer wieder aufblitzt. Auch in diesem Jahr gefällt mir die Spätlese aus dem Turmberg besser als die aus dem Gräfenberg, auch wenn sich dieses Verhältnis in 30 Jahren vielleicht umdrehen mag, aber da werden die allermeisten Flaschen schon ausgetrunken sein. Der Turmberg ist mit seiner höheren Spannung und straffen Salzigkeit in den ersten Jahrzehnten einfach die spannendere, packendere Spätlese, die sich aufregender trinkt.