Philipp Kuhn: Pinot Noir Laumersheimer Steinbuckel Großes Gewächs 2022
- Pinot Noir 100%
- rot, trocken
- 14,0% Vol.
- Trinkreife: 2030–2052
- strukturiert
- seidig & aromatisch
- frische Säure
- Lobenberg: 96/100
- Suckling: 94/100
- Falstaff: 96+/100
- Galloni: 94/100
- Weinwisser: 93–95/100
- Deutschland, Pfalz
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Philipp Kuhn, Großkalbacher Str. 20, 67229 Laumersheim, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Pinot Noir Laumersheimer Steinbuckel Großes Gewächs 2022
/100
Der Steinbuckel besteht aus 100 Prozent französischen Klonen. Rund ein Viertel Ganztraubenvergärung, der Rest wird entrappt. Klassische 228 Liter Fässer. Philipp Kuhn arbeitet nur mit dieser originalen Burgunder Fassgröße, und der Steinbuckel bleibt darin 20 Monate auf der vollen Hefe. Hälftig im neuen und zweijährigen Holz. Der Steinbuckel ist kernig, zeigt eine Würze irgendwo zwischen Cote-Rotie und Priorat mit dieser schieferigkeit, ob er auf Kalkstein steht. Viel schwarze Kirsche in der Nase. Richtig Zug in der Nase schon. Sehr viel Rauch mit einem leichten Specktouch, geflämmtes Fleisch, auch hier wieder leichte Syrah-Assoziationen. Je länger der Wein im Glas ist, desto duftiger wird er, desto reicher. Trotzdem bleibt er ein Wein, der auch Nuits Saint Georges auf der Flasche stehen haben könnte. Kühle Thematik mit herber Würze. Deutschland ist und wird Rotweinland.
Jahrgangsbericht
All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.
/100
Suckling über: Pinot Noir Laumersheimer Steinbuckel Großes Gewächs
This generous and sensuous Pfalz pinot noir has a wealth of summer flower aromas plus some ripe black cherry fruit. Stacks of fine tannins support this neatly. The palate is very silky right through the long finish in spite of the wine’s youth. Drink or hold.,
/100
Falstaff über: Pinot Noir Laumersheimer Steinbuckel Großes Gewächs
Rauchige Holztöne und hefige Aromen überlagern die noch unentfaltete Sauerkirschfrucht. Taktile Kalkmineralität und kräftige Stoffigkeit bilden den Extraktblock von großer Dichte und Intensität. Säure und Körper passen gut zusammen, der Alkohol ist integriert. Extrem jung, für die Langstrecke.
/100
Galloni über: Pinot Noir Laumersheimer Steinbuckel Großes Gewächs
The 2022 Pinot Noir Laumersheimer Steinbuckel Grosses Gewächs was fermented with 20% whole bunches and aged for 20 months in 30-40% new oak. Remarkably dark in color, it releases vivid scents of ripe red cherry with an overtone of elderberry. That elderberry note carries on the palate, combining vibrant freshness with beautiful density. This is quite precise, absolutely pixelated, with really fine tannins, proper crunch and such elegance. The fruit is incredibly well captured, full and ripe without an ounce of fat. (Bone-dry)
Philipp Kuhn
100 % handgemacht – das ist der Leitspruch von Philipp Kuhn. Die Arbeit von Philipp beruht nur auf Erfahrung und dem richtigen Gefühl. Und beides besitzt er reichlich.