48 Prozent Merlot, 48 Prozent Cabernet Sauvignon und vier Prozent Petit Verdot. Der Alkoholgehalt liegt bei 14 Volumenprozent. Die Lese war am 25. September abgeschlossen. 35 Hektoliter Ertrag pro Hektar. Die Trauben wurden im Keller komplett entrappt, die Maische anschließend im aufrechtstehenden Holzfass spontan vergoren. Der Ausbau danach in 100 Prozent neuen Barriques. Die Nase ist berauschend ätherisch und unglaublich aromatisch! Ein Traum von Holunder, Sauerkirsche und roter Zwetschge, dazu helle Lakritze, viel Nougat und Walnüsse. Aber immer wieder viel rote Frucht, auch etwas Erdbeere und Himbeere. Rote Paprika nur in Form von ganz reifer Spitzpaprika. Was für ein schönes Potpourri an roter Frucht! So duftig! Köstlicher Mundeintritt. Wow, wie schick, was für eine Freude! Ich hätte nicht gedacht, dass man den 2020er in seiner strahlenden Schönheit jemals wieder erreichen könnte. Aber 2022 schafft das. Feinste schicke Lakritze, etwas Minze, After Eight, aber insgesamt eher ein burgundisch-feiner Wein. Irgendwo zwischen Chambolle-Musigny und Gevrey-Chambertin changierend. Eine feine Köstlichkeit im Mund mit extrem seidigen Tanninen. Nichts schmerzt, nichts ist unreif, trotzdem ist es auch eindeutig Cabernet Sauvignon in einer verträumten Ausführung. Der Wein steht für Minuten mit seinem salzigen Nachhall. Einfach ein extremes Leckerli – Hedonismus pur und eine Freude für alle Menschen, die nicht den klassischen Bordeaux wollen, der ihnen in die Fresse haut, sondern einen Bordeaux, der einfach nur Freude spendet, der hedonistisch ist. Ein Wein mit Klasse und erstaunlicher Frische! Das ist ein echter Wiederholungsfall von 2020. Da hat Dominique Leandre-Chevalier sich selbst nochmal übertroffen. Sein letztes Werk, denn er geht jetzt in Rente. 2022 ist quasi sein Vermächtnis. Superb! *** Dominique Leandre-Chevalier hat hier in Cotes de Blaye ein extrem biologisch bearbeitetes, aber nicht zertifiziertes Weingut. Es werden keine Traktoren eingesetzt, alles wird mit dem Pferd gepflügt. Dichtpflanzung mit 10.000 bis 33.000 Stöcken pro Hektar. Aber nicht nur Dichtbepflanzung, sondern auch sehr dicht am Boden befindliche Trauben, nur 5-6 Trauben und nur maximal 400-500g Ertrag pro Weinstock. Dieser extrem geringe Ertrag pro Weinstock bringt natürlich diese unglaubliche Dichte. Das Ganze geschieht natürlich, Dominique braucht keine grüne Lese durchführen. Das ist Ertragsbeschränkung auf ganz natürliche, biologische Art. Die Trauben werden komplett entrappt, die Beeren nicht angequetscht und dann in aufrechtstehenden, offenen Barriques vergoren. Die Fermentation läuft über mehrere Wochen, alles läuft in Handarbeit. Nach der Gärung wird ganz vorsichtig abgepresst, überwiegend nur der Free Run verwendet. Der Wein wird dann in einen großen Betontank gelegt. Dort läuft dann die restliche Fermentation ab und auch die Malo. Ein Teil der unverletzten Beeren hat intrazellulär gegoren, wir haben also viel Frucht. Nach dem Aufenthalt im Beton geht der Wein in 100 Prozent neue Barriques. Dort verbleibt er weniger als 12 Monate, zwischendurch wird die Hefe immer wieder aufgerührt. Nach zehn bis zwölf Monaten wird der Wein dann zum Absitzen ins große Holz gelegt. Er wird relativ früh gefüllt, da Dominque den starken geschmacklichen Einfluss des neuen Barriques kleinhalten möchte.