Die Rieslinge aus der Wehlener Sonnenuhr sind schon in der Jugend immer etwas anders geartet als jene vom Graacher Himmelreich. Es kracht hier weniger, ist feiner und leiser, deutlich verschlossener als das Himmelreich dieses Jahr, was durchaus ungewöhnlich ist. Unter der zarten Prüm-Reduktion schält sich nach und nach eine hauchfeine gelbe Frucht durch. Alles liegt unter diesem stahlig-kühlen Schleier aus Feuerstein und Kreide, entblättert sich nach und nach, aber gibt noch nicht all seine Geheimnisse preis. Zitronentarte und Melisse, Sternfrucht und Papaya, aber alles in einer schwer zu greifenden Art, völlig pianissimo. Eine urgewaltige Ruhe und Tiefe liegt in diesem Wein. Die Struktur ist atemberaubend und zeigt an, dass die Sonnenuhr, wenn sie sich öffnet, sicher beeindruckender sein wird als jetzt schon auf allen Zylindern feuernde Himmelreich. In 10 Jahren hat sich das Blatt sicher gewendet, also sollte man bestenfalls von beiden genug im Keller haben. 97-98/100