Der Roth Lay wächst auf Schieferterrassen direkt zur Mosel. Der Schiefer ist klassischer Devonschiefer mit sehr hohem Eisengehalt, also rötlich gefärbt. Verwitterungsgestein. Der Wein wird nach der Ernte in ganzen Trauben angequetscht. Kurze Maischestandzeit im Kühlhaus, ohne, dass die Gärung beginnt. Vorsichtiges abpressen und Vergärung mit spontaner Hefe im großen Holzfass. Er verbleibt bis zum übernächsten Frühjahr der Vollhefe. Das ist Reinhard und Sarah Löwensteins langsamer Wein. Sehr tiefe, ruhige Nase, wie immer zeigt der Roth Lay keine überschwängliche Fruchtigkeit, hat nichts Lautes oder übermäßig Expressives an sich. Er ist die Ruhe selbst in seiner Verwobenheit aus milder Grapefruit, rotem Pfirsich, Pomelo und ein Hauch feinsten Schießpulvers. Roth Lay ist einfach erhaben, großrahmig wie ein Puligny-Montrachet, zugleich aber so ziseliert, feingliedrig und elegant, wie es nur die Mosel kann. Der Wein schwebt über die Zunge, gleitet ganz ruhig dahin. Das Einzigartige an Roth Lay ist ja seine ruhige Präsenz, er ist voll da, intensiv und druckvoll, aber in 2022 ganz besonders filigran, was umso erstaunlicher ist bei diesem warmen Jahr. Er erinnert etwas an 2012 was die tolle Balance und Stimmigkeit angeht, damit ist er ziemlich unique in der Range, denn die anderen 2022er hier kann man keineswegs mit 2012 vergleichen. So ruhig, so fein, so elegant, Roth Lay 2022 ist ein cremig-schönes Wunderwerk mit sagenhafter Harmonie. 97-98+/100