Gigondas L'Argnee Vieilles Vignes 2021

Perrin / Beaucastel

Gigondas L'Argnee Vieilles Vignes 2021

fruchtbetont
pikant & würzig
strukturiert
100
100
2
Grenache 100%
5
rot
15,0% Vol.
Trinkreife: 2030–2062
Verpackt in: 6er OHK
3
Lobenberg: 100/100
6
Frankreich, Rhone, Gigondas und Rasteau
7
Allergene: Sulfite, Abfüllerinformation
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Gigondas L'Argnee Vieilles Vignes 2021

100
/100

Lobenberg: Erdiger, würziger und noch dunkler in der Frucht als Clos des Tourelles. Amarena-Schwarzkirsche, Erde und satte provenzalische Kräuter darunter. Sehr feine Lakritze, Sandelholz. Im Mund unglaublich Schub. Die Tannine sind samtig, aber so opulent und reich, so dunkel, fast geheimnisvoll in ihrer Opulenz. Der Wein hat unglaublichen Schub und Mineralität, der ganze Gaumen wird ausgekleidet. Das Zahnfleisch wird belegt von dunkler, intensiver, fast klebriger schwarzer und roter Frucht. So eine wahnsinnige Intensität! Anders als der feinere Clos des Tourelles ist der L’Argnée deutlich auf der wuchtigeren Seite mit diesem unglaublichen Schub. So hintergründig, so ursprünglich! Multikomplex, geheimnisvoll und für Minuten stehend mit changierenden Eindrücken. Dunkel und exotisch dabei, mit Minze und Eukalyptus, auch ein an Passionsfrucht erinnernde Frische. Süße aus Feigen, die am Gaumen und am Zahnfleisch kleben. Diese opulente Majestät braucht Jahre, um sich zu trinkiger Feinheit aufzuschwingen. Erstmal ist diese ganze Wucht, die ganze Süße, die Dichte aus Feigen, Amarena, Minze und Eukalyptus, zu überwältigend. Aber ohne Frage großer Stoff – ein Unikat in seiner Ausprägung zwischen Burgund und Australien. 100/100 *** Der L’Argnée stammt aus einem Hektar in biodynamischer Bearbeitung, weit unterhalb von Clos des Tourelles gelegen, neben den Einzellagen von Saint Cosme. Uralte Reben, die vor der Reblaus gepflanzt wurden. Sie sind wurzelecht, weil die Reben auf sandigen Böden stehen, in denen sich die Reblaus nicht wohlfühlt. Bei diesem Wein werden die Trauben nicht entrappt und dann spontan vergoren. Ausgebaut wird im Holzfuder und im Tonneau. Die Böden sind auf dem felsigen Untergrund von Gigondas gelegen, aber der größte Teil ist überwiegend leichter Sand als Auflage.

Jahrgangsbericht

Der Jahrgang 2021 stellt an der Rhône zweifellos einen Einschnitt in der Reihe der heißen, trockenen, mediterranen Jahrgänge dar, wie wir sie spätestens seit 2015 durchweg erlebt haben. 2021 erinnert viele Winzer im Rhônetal gar an die »guten alten Zeiten« vor 20, 30 Jahren – späte Lese, hohe Säurewerte und eine Phenolik wie es sie zuletzt in den 90ern gab. Ein Jahrgang der großen Emotionen, ein ständiges auf und ab der Gefühle: Die extreme Frostepisode vom 7. bis 9. April mit Temperaturen von teilweise fast -10°C betraf fast alle französischen Weinbaugebiete. Teilweise sorgte der Frost für einen kompletten Ernteausfall. Drei Wochen lang regte sich gar nichts in den Weinbergen des Rhônetals. Wie durch ein Wunder trieben viele Reben doch noch aus, aber nicht ohne Folgen: Die eiskalten Nächte brachten die Natur aus dem Gleichgewicht, der Wiederaustrieb verlief geradezu anarchisch, die Arbeit im Weinberg war extrem anspruchsvoll und verlangte den Winzerinnen und Winzern alles ab. Die wohltuenden Regenfälle während des gesamten Vegetationszyklus, die gemäßigten Temperaturen im Sommer und der goldene Herbst sorgten für ein großes Durchatmen. Am Ende wird 2021 nicht nur als Jahrgang der plötzlichen Wiedergeburt der Klassik, der Feinheit und Eleganz in Erinnerung bleiben, sondern auch wegen des immensen Aufwands – nur, wer 2021 alles gegeben hat, wurde am Ende mit ultrafeinen Weinen belohnt, wie wir sie seit Jahren nicht mehr im Glas hatten. An der südlichen Rhône ist 2021 ein Jahr der puren Trinkfreude. Alles ist sofort da, offen und so unglaublich fein. Die Alkoholgrade liegen rund 1,5 Prozent unter denen der vergangenen Jahrgänge. Sowohl die Weißen als auch die Roten sind hervorragend balanciert und bestechen mit guten Säurewerten und hoher Frische. Die Weine sind hocharomatisch, die Frucht ist schmeichelhaft und fast schon spielerisch-abgehoben. Eine Grenache voll auf der Pinot-Spur – wann gab es das zuletzt?! Die nördliche Rhône bringt 2021 einen Stil, den dort viele für nicht mehr möglich hielten: Extrem fein und verspielt, fast schon schwebend und mit einer genialen Frische ausgestattet. Ein Jahr für große Weißweine mit strahlender Aromatik und hervorragender Lagerfähigkeit, ein Jahr für herrlich klassische, stilvolle, delikate Rotweine mit betörend ätherischen Noten von Pfeffer und Veilchen und ultrafeiner, aber aufregender Tanninstruktur. All in all ist 2021 an der Rhône ein Jahr für Finessetrinker, für Liebhaber der Feinheit, der Frische und der Eleganz. Lange hat man sich nach solchen klassischen Jahren gesehnt. Aber klassisch mit einem genialen Twist, denn am Ende vereint 2021 mit seiner schlanken, hochfeinen Art und der genialen Duftigkeit und Aromatik das Beste von damals und heute. »Zurück in die Zukunft!« – das beschreibt diesen aufregenden Rhône-Jahrgang wohl letztlich am besten.

Mein Winzer

Famille Perrin

Beaucastel ist ganz sicher seit Jahrzehnten der Primus inter Pares in der südlichen Rhone und einer der wenigen Betriebe, der für den roten Chateauneuf noch alle 13 zugelassenen Traubensorten verwendet.