Eher helles Rubinrot. Sehr feine Kirschnase mit roter Kirsche, Herzkirsche und feiner Himbeere. Sehr schicke Nase! Mit vielen floralen, tänzelnden Noten darüber. Eine wahnsinnige Schönheit in der Nase! Hohe Eleganz im Mund. Extrem seidige Tannine, verspielt und tänzelnd. Der Wein hat eine mittlere Länge und eine feine Salzspur, nur auf der süßen roten Kirsche laufend, erotisch süß, aber sehr fein. Auch eine leichte Himbeere darunter. Insgesamt ein schicker, tänzelnder, freudestiftender Wein. Aber es fehlt ein wenig an Fleisch in der Mitte und an Druck, um zur Größe der Jahre davor anzuschließen. Sehr charmant und für 2024 sogar erstaunlich erotisch fruchtig süß und füllig, und bei gutem Preis sicherlich eine Empfehlung, aber insgesamt sicherlich nur ein sehr schöner, charmanter Domaine de Chevalier und einer der besten Weine der Appellation, aber kein ganz großer Wein. *** Die Domaine de Chevalier ist seit 2009, aber so richtig erst seit 2015, eines der Topweingüter aus Pessac-Léognan. Es steht für mich inzwischen auf einer Stufe mit den Superstars Smith Haut Lafitte, Seguin und Haut Bailly. Im Weingut wird komplett biodynamisch gearbeitet, es ist aber nicht zertifiziert. Sehr alte Reben, Dichtpflanzung, winzige Erträge von unter 500 Gramm je Stock. Seit einigen Jahren nun ist Stéphane Derenoncourt, Starönologe aus Saint-Émilion, Berater und Önologe auf dem Weingut. Alles wird komplett entrappt und gesunde braune Rappen später wieder selektiv hinzugegeben, um die Full-Bunch-Würze und Frische zu erreichen. Es sollen aber auf keinen Fall grüne Aromen dazukommen. Die Vergärung geschieht spontan in offenen Holzgärständern. Sehr moderates Überpumpen, aber auf keinen Fall hartes Runterstoßen, keine starke Extraktion. Die Ernte läuft in vielen Lesegängen, um wirklich optimal reife Trauben zu holen. Die vollständig entrappten Beeren werden dann per Laseroptik auf optimale Reife untersucht – nur das Beste kommt ins Töpfchen. Die spontane Gärung erfolgt dann temperaturkontrolliert über einen langen Zeitraum. Der Ausbau dann später in diversen Gebinden, von Betoneiern über Amphoren und Tonneaux bis zu Stückfässern und klassischen Barriques, zum Teil neues Holz. Die Zukunft der Domaine de Chevalier hat spätestens mit 2015 begonnen.