Wie auch der »Très Vieille Vigne«, stammt dieser Wein auch aus der Lieu-Dit »Aux Caves« in der Beaujolais-Cru Chénas. Die Parzelle liegt quasi direkt neben der Domaine, etwas höher auf rund 280 Metern gelegen, unterscheidet sich aber vor allem im Terroir. Die Reben sind mit einem Alter von 40 Jahren deutlich jünger und der Boden ist sandig, durchsetzt mit dem Eisen-ähnlichen Mangan. Die Trauben sind hier immer etwas früher reif. »Reine de Nuit« wird in der Nacht gelesen, da die Trauben dann am kühlsten sind und diese Kühle soll auch durch die ganz klare, hellrote Frucht in den Wein transportiert werden. Eine recht steile, sehr exponierte und reiche Südlage, immer mit die erste Parzelle, die geerntet wird. Daher hat sich Anita entschieden, diese Parzelle immer in den ersten Morgenstunden der ausgehenden Nacht zu ernten, um ein Maximum an Frische zu erhalten. Zudem wird der Wein zu 100 Prozent als Ganztraube direkt eingemaischt, um den Speed nicht zu verlieren. Die Fermentationen finden in Betoncuves statt, dann wird für die Topweine in Barriques und 400 Liter umgezogen. La Reine de Nuit ist immer ein ganz eigener Charakter. Eine dicht verwobene Mischung aus roter und schwarzer Frucht, Waldbeeren, Teer, schwarzer Pfeffer. Das Tannin ist hochfein, unterstreicht den kühlen Antrunk, sehr packend, steinig, energetisch. Für Liebhaber von 2016 oder 2012 ist 2024 ein Traumstoff, weil es genau diese harmonisch-feine, kühle und straffe Nummer ist. Wirklich verblüffend, wie elegant Gamay aus Winzerin Anitas Händen ist. Schwerelose Kraft. Das ist schon ein ziemlich einzigartiger Beaujolais-Stil, der hier auf Anita produziert wird.
2024 markiert die Rückkehr zu einem sehr klassischen, fast schon nostalgischen Stil. Die Weine sind deutlich kühler, straffer und mineralischer als in den Vorjahren. Mit moderaten Alkoholgraden zwischen 12 % und 13 % vol. erinnert der Jahrgang an die »gute alte Zeit« des Burgunds. Besonders die Weißweine bestechen durch einen laserartigen Fokus und eine berstende, kristalline Mineralität, die an das exzellente Jahr 2014 erinnert. Ein Jahrgang für Puristen, die Struktur und Kante über cremigen Charme stellen. Der Jahrgang 2024 war ein hartes Stück Arbeit für die Winzer. Starke Frostschäden und ein sehr regenreiches Frühjahr und massiver Mehltaubefall führten zu drastischen Ertragseinbußen, besonders an der Côte de Nuits. Ein »goldener September« rettete zwar die Qualität der verbliebenen Trauben, doch die Mengen bleiben extrem klein. Die Qualität variiert stark je nach Lage und Geschick des Winzers. Wer jedoch bei den Top-Produzenten fündig wird, erhält tiefgründige, charakterstarke Weine von großer Eigenständigkeit und Raritätswert.