Die Assemblage besteht 2022 aus 70 Prozent Cabernet Sauvignon und 30 Prozent Merlot. Der Wein hat 13,5 Volumenprozent Alkohol, der Ertrag lag bei 42 Hektolitern pro Hektar. Insgesamt gibt es 30.000 Flaschen. Hochreife Nase mit konzentrierter schwarzer und roter Kirsche. Aber auch Amarenakirsche und Backpflaume. Unglaublich dicht, schon leicht scharf in der Nase. Nicht vom Alkohol, sondern von der Intensität der frischen Frucht. Fast süße, schwarze Himbeere. Darunter süße, rote und schwarze Cassis. Unglaublich viel Wucht mit satter Lakritze und flüssiger schwarzer Schokolade, dazu Walnuss und viel Feige. Etwas, das ich in der Form auch schon bei Domaine de Chevalier erlebt habe. Nicht dieses Tänzelnde wie in 2019, 2020 und 2021, sondern viel Druck, viel Reife und ziemlich viel Wucht – erstaunlich! Sauerkirsche und Himbeere, alles süß verwoben mit Veilchen im salzbetonten Mund. Langer Nachhall auf der Zunge, ziemlich üppig und fast erotisch-weich rüberkommend. Satte Tannine in Hülle und Fülle, aber gut geschliffen, nichts Grünes, nichts Unreifes, aber viel, viel, viel. Und vor allen Dingen ein dichter, voluminöser Wein. So war es auch schon beim Domaine de Chevalier. Dieser Teil von Pessac-Léognan fällt deutlich intensiver aus als die Eleganz von La Mission oder Seguin. *** Die reine Fläche von Château Léognan ist 1989 gepflanzt worden, sie umfasst nur sechs Hektar. Die Reben stehen direkt neben jenen der Domaine de Chevalier. Bisher waren sie Bestandteil des Erstweins von Chevalier. Hier stehen 10.000 Stöcke pro Hektar, der Ertrag ist mit unter 500 Gramm Trauben pro Rebe extrem gering. Diese Dichtpflanzung ist State of the Art. Der Besitzer des Château Léognan hat das Weingut vor einigen Jahren gekauft, die Weinberge werden biologisch bearbeitet, sind aber noch nicht zertifiziert. Allerdings sind sie bereits in dem von Landwirtschaftsministerium aufgesetzten HVE3-System aufgenommen und damit in Sachen Umwelt zertifiziert. Die sechs Hektar kamen an den Besitzer, weil der Verkauf des Weinguts an die Domaine de Chevalier nicht zu Stande kam, da diese nur an den Weinbergsflächen, nicht aber an den 80 Hektar Wald und Wiesen interesseiert war. Der neue Besitzer hat alles zusammengekauft und bewirtschaftet nun auch diese sechs Hektar Top-Reben mit 30 Jahren Rebalter nach biologischem Vorbild im Weinberg und im Keller. Spontan im Beton vergoren und dann der Ausbau in französischer Eiche für 14 Monate, 50 Prozent Neuholz.