90 Prozent Merlot, acht Prozent Cabernet Franc und zwei Prozent Cabernet Sauvignon. 14,5 Volumenprozent Alkohol, pH-Wert 3,6. In 2022 mit einem minimalen Ertrag: Aus 22 Hektar kommen nur 15.000 Flaschen La Fleur. Die Nase ist typisch für 2022: reich, dicht und vor allen Dingen reif. Viel Veilchen, enorm floral! Dazu satte Schwarzkirsche – so sehr delikates Saint-Émilion. Schicker Fluss, schon saftig in der Nase. Die Tannine kommen poliert, nichts ist rau, nichts ist grün, alles ist reif, aber nichts überreif. Schicker Angang in der Nase! Mhh, der Mund lässt einen vor Entzücken jubilieren, weil er so unglaublich viel reiche rote Kirsche unter die schwarze Fruchtdecke schiebt. Was für eine Freude! Auch Himbeere aus der Cabernet Franc kommt dazu. Minimaler Angang von Paprika aus der Cabernet Sauvignon. Auch etwas Erdbeere. Das Ganze mit Nutella und Nougat unterlegt. Wunderbarer Schub, der Alkohol ist komplett integriert. Nichts ist brandig, alles ist fein, schwebend und schick. Das ist Saint-Émilion at it’s best, so wie es sein soll, wie man es sich in Träumen vorstellt. Aber selten ist Saint-Émilion so reif wie in 2022 und gleichzeitig so schwebend fein. Wenn der Alkohol jetzt noch einen Grad tiefer wäre. Aber wie ich schon sagte: Die Frucht und die Dichte im Tannin lassen das nicht spüren. Das Ganze ist extrem balanciert. Schicker Saint-Émilion! Schon mehr als sehr gehobenes Mittelfeld für ein ganz großes Leckerli. *** La Fleur ist ein kleines Weingut in Saint-Émilion, zum gleichen Besitzer wie Château Dassault gehörend, eher unbekannt und schwer zu finden. 22 Hektar Rebfläche mit 25 Jahre alten Reben. Lehm auf Kalkstein. Seit Jahren ein Geheimtipp, weil er immer auf verschlungenen Pfaden in die Distribution geraten ist. Insider wissen mindestens seit 2008, was für ein großer Saint-Émilion das ist. Weil er immer so archetypisch ist und so viel Schliff und Feinheit hat. Das Weingut wird biologisch bewirtschaftet, aber es ist nicht zertifiziert. Die Trauben werden komplett entrappt, der 16-monatige Ausbau geschieht zu 45 Prozent im Beton, zu fünf Prozent in Amphoren und zu 50 Prozent in Barriques, davon 60 Prozent Neuholz.