L’Ermite stammt aus der Einzellage Chapelle und liegt damit höher als Les Bessards, aus dem Le Pavillon kommt. 100 Prozent Granitböden, aber auch sandige Elemente. Die Weine fallen daher feiner, floraler, himbeeriger und verspielter aus. Es ist die Krönung der Finesse. Seit Jahrgang 2022 verwendet Chapoutier ein bisschen Rappenanteile in der Vergärung, das kam vor allem durch das Bestreben von Maxime Chapoutier. In 2024 sind es schon über 20 Prozent, um den Weinen noch mehr Drive und Fokus mitzugeben. Sie sind etwas später zugänglich dadurch, weil sie etwas schärfer werden, aber dafür reifen sie wahrscheinlich noch graziler. Maxime Chapoutier vergleicht den Jahrgang 2024 am ehesten mit 2010 in dieser kühlen, sehr fokussiert geradeauslaufenden und in der Jugend etwas unnahbaren Charakter. Die Weine brauchen Zeit, sind aber unglaublich fein und elegant. 2024 ist ein so schickes Jahr, wie eine Turbovariante des kühlen 2021. Wir sind ähnlich fein und saftig in der Aromatik, aber haben durch kleine Erträge mehr Druck und eine gewisse positive Austerität. Der L’Ermite liegt mit einer Seelenruhe im Glas, kommt mit hochfeinen Salzkaramellen, Schwarzkirsche und dem Duft von warmem Sommerregen. Generell hat er ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen warmer, würziger Frucht und kühler, brillanter Mineralität. Ein Wandler zwischen den Welten, irgendwo zwischen 2019 und 2021. Man versteht sehr wohl, weshalb die Lage La Chapelle schon in den vergangenen Jahrzehnten zum Besten gehörte, was es überhaupt an Weinen an der nördlichen Rhône gibt, wenn man ihn aus einem herausfordernden Jahr wie 2024 probiert. Das ist so nahe an der Perfektion, wie man es nicht für möglich hält. Die Tannine sind traumhaft seidig, die Frucht ist crunchy und voller Spannung. Es ist die reinste Wonne! Ja, das ist die Krönung der Feinheit an der Nordrhône. Schon Michel Tardieu hat mir berichtet, wie heterogen der Jahrgang an der Rhône ist, aber dass es ebenso perfekte Weltklasse gibt. Nun, Michel Chapoutier hat sie wieder ein paar Mal getroffen, wie hier zum Beispiel. Das geht nicht mehr besser, nur anders.