2025 war die früheste Lese aller Zeiten bei Chapoutier, am 14. August ging es in Saint-Peray los. Der Spätsommer war von einer großen Hitzewelle geprägt, der die Reife vorangetrieben hat und die Trauben stark aufkonzentriert hat. Es gibt rund 20 Prozent weniger Ertrag als erwartet, weil die Trauben so wenig Saft ergeben haben. Maxime Chapoutier sagte, er habe noch nie so hohe Extraktwerte in seinen Weinen gehabt wie 2025. L’Ermite ist eine extrem karge, steinige Lage am Hangkopf, nahe der Kapelle. Es ist rund 200 Meter hoch gelegen, Südwest-Exposition. Es ist purer Granitfelsen und diese enorme Spannung überträgt sich Eins zu Eins in den Wein. Es ist mit dem Saint-Joseph Les Granits klar der steinigste und spannungsreichste weiße Lieu-dit in 2023 bei Chapoutier, wie eigentlich jedes Jahr, weil sich der Boden so extrem durchsetzt in diesen beiden Weinen. Ein sehr mineral-betonter Hermitage, der klare-steinige Aromen, Tiefe und Struktur aufweist und dabei immer noch mit ungeheurer Frische überrascht. Was sind diese 2025er traumhaft aromatisch. Erinnert mich fast etwas an Riesling, so viel Exotik und Aromatik kommt da aus dem Glas. Die 2025er sind ähnlich offen gestrickt wie die 2023er, aber viel konzentrierter im Kern. In der Nase Zitronenthymian, Anis, Lakritze, Limettensaft, Tonic Water. Der Mund explodiert förmlich. Was für eine irre Energie da freigesetzt wird! Diesen mineralischen Zug habe ich nach der cremig-exotischen Nase gar nicht erwartet. Am Gaumen packt aber eben der Steinturbo wieder zu, zieht an den Papillen, steinig, salzig, unendlich lang. Treibt immer weiter vorwärts. Süße, südliche Zitrusfrüchte kämpfen mit dem salzigen Stein um die Vorherrschaft. Er ist schon üppiger und reicher als das schlankere 2024… hat so viel Power, dass die Augen schmal werden. Aber wie präzise und fokussiert er trotz der Kraft seine Mineralität auf die Zunge bringt, ist atemberaubend. Weltklasse-Marsanne und zurecht eine Legende. Jedes Jahr wieder einer der größten Weißweine Frankreichs.