80% Merlot und 20% Cab Franc in 2022. Ernte vom 15.9. bis 3. Oktober. Dieser kleine Biodynamiker direkt am Bach, in der Nähe von Figeac, Jean Faure und Cheval Blanc gelegen, ist seit Jahren eine spannende Alternative zu den großen Namen aus der Nachbarschaft. Die Nase des 2022ers ist satt Merlot, changierend zwischen Pomerol und Saint Emilion. Sehr eigener Charakter. Weich und üppig, satte schwarze und rote Kirsche. Reife, voluminöse Brombeere und Maulbeere, Lakritze. Famose Spannung mit pikantem Wechsel von rot und schwarz, helle Lakritze, Nougat und Nutella. Dazu Holunder und Schlehe, ein Hauch Lavendel und Minze. In Summer aber eher rotfruchtig mit Schattenmorellen und Schlehe. Orangenzesten, gelbe Melone, Feigen. Ein dichter, samtig-seidiger Tanninteppich mit so viel Dichte und reicher Fülle gibt verdammt viel Schub. Wieder Eukalyptus und Minze, etwas scharfer Chilli, viel Salz und Gestein. Eine fast überreiche Aromatik und Fülle, aber ohne dabei fett zu sein. Satter, reicher Mund. Satte süße rote nebst etwas gelber Frucht, Sanddorn, Maulbeere, Nitella, voluminös. Samtige Tanninmasse, eine große Fülle sogar. Zwetschge, Schattenmorelle, Sauerkirsche, Cranberry, wieder Nutella und satte helle Lakritze nebst wuchtiger Schwarzkirsche. Viel Schub, viel Druck, ohne dabei fett zu sein. Die Balance und Harmonie sind überragend und doch ist der Wein voller Spannung. Ein ausgesprochen schicker Saint-Émilion und genial wie der 2020er, nur mit mehr Finesse, reicher Fülle und schicker Balance. 98+/100 *** Château l’Etampe ist ein Grand Cru mit einer Fläche von nur 1,83 Hektar Weinreben, winzig klein, alles wird hier Handarbeit mit der Handschere gemacht. Der Boden der Weinberge besteht aus hellfarbigem Quarz (Sand / Kieselerde), der sich schnell und gut erwärmt. Der Weinberg hat somit den Vorteil einer Bodenwärmequelle. Diese uralten Sande spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Mineralhaushalts und der Regulierung des Wasserverbrauchs der Reben. Der von Bäumen gesäumte kleine Bach, der entlang der Weinreben fließt, kühlt die Bodenoberfläche an warmen Sommernächten und erleichtert so den Reifeprozess. Die Reben gedeihen in diesem gemäßigten Klima, das durch die Kombination des atlantischen Ozeans mit den Flüssen Dordogne und Garonne entsteht. Regen- und Hagelwolken neigen dazu, entlang der Flusstäler zu brechen, wodurch die Ländereien entlang des Figeac-Plateaus verschont werden. Der Weinberg verfügt über eine repräsentative Auswahl von Saint-Emilion-Sorten, wobei die Merlot durch die hier so wichtige und dominante Cabernet Franc ergänzt wird. Die Rebstöcke sind durchschnittlich 30 Jahre alt und in einer Dichte von 5.500 Stöcken pro Hektar bepflanzt. Die Weinberge von L’Etampe werden nach den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft kultiviert. Der Rebschnitt erfolgt nach der Doppel-Guyot Methode. Die Trauben werden von Hand gelesen, Parzelle für Parzelle in 10 kg Kisten. Die Trauben kommen vor dem Entrappen auf einen Rütteltisch und werden selektiv sortiert. Die Weine reifen dann in französischen Eichenfässern, von denen ein Drittel neu ist, für 16 bis 18 Monate. Der Berater des Weingutes ist kein geringerer als Jean-Claude Berrouet, der frühere Winzer und Technischer Direktor von Chateau Pétrus, und sein Sohn Jean-Francois Berrouet. Sowie der eigentlich tätige junge Winzer des Chateaus, ein verrückter Weinfreak aus der Remy Martin Dynastie. Vergärung, Malo und Ausbau erfolgen hier komplett ohne Schwefel. Die Weine reifen dann in französischen Eichenfässern, von denen ein Drittel neu ist. Die Lage des Weinbergs ist direkt an der Abzweigung von St Émilion nach Pomerol, also im Zulauf auf Cheval Blanc oder auch kurz neben Château Figeac auf der anderen Straßenseite. Die Voraussetzungen und die Story sind perfekt. Zumal der Besitzer, ein sehr reicher Bauunternehmer, wenig eingreift, da es ihm einfach um Ruhm und Ehre geht. L’Etampe ist 2016 irgendwo wie ein Phönix aus der Asche auferstanden, mit neuen Besitzern und neuen Winemakern.