L’Ermite stammt aus der Einzellage Chapelle und liegt damit höher als Les Bessards, aus dem Le Pavillon kommt. 100 Prozent Granitböden, aber auch sandige Elemente. Die Weine fallen daher feiner, floraler, himbeeriger und verspielter aus. Es ist die Krönung der Finesse. So fällt auch die Nase aus: Konzentrierte Herzkirsche in dunkler Schattierung, aber ultrafein. Dazu Lavendel und Veilchen, auch warmer Stein und Chillischärfe. Ein bisschen Pfirsich und Mandarine mitsamt Blättern schwingen mit. Was für eine schier ungreifbare Feinheit in der Struktur. Man versteht sehr wohl, weshalb die Lage La Chapelle schon in den vergangenen Jahrzehnten zum Besten gehörte, was es überhaupt an Weinen an der nördlichen Rhône gibt. Die Höhenlage gepaart mit der Exposition sind die Quadratur des Kreises aus Finesse und Samtigkeit. So schick im Mund, so spielerisch, fast leicht und trotzdem so konzentriert. 2023 hat die Reife von 2019 und 2020 mit der spannenden Seidigkeit und Eleganz von 2021. Das ist eine sehr ansprechende Melange, weil irgendwie alles passt. Das macht die Weine in ihrer Wärme auch schön zugänglich in der Jugend, schon aus dem Fass probiert, sind sie traumhaft seidig. Wenn ich den Pavillon mit 100 Punkten bewertet habe, so kann ich den L’Ermite nicht tiefer bewerten, wenn ich denn in diese extreme Feinheit und in die Blumigkeit will. So viel Veilchen nebst Chili. Immense Länge mit einem leicht scharfen, seidigen Tannin. Ja, das ist die Krönung der Feinheit an der Nordrhône. Schon Michel Tardieu hat mir berichtet, wie heterogen der Jahrgang an der Rhône ist, aber dass es ebenso perfekte Weltklasse gibt. Nun, Michel Chapoutier hat sie ein paar Mal getroffen in diesem Jahr, wie hier zum Beispiel.