Peter Lauer: Riesling Ayler Kupp Unterstenberg Faß 12 Große Lage 2024

Peter Lauer: Riesling Ayler Kupp Unterstenberg Faß 12 Große Lage 2024

VDP

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
12,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2044
exotisch & aromatisch
mineralisch
Lobenberg: 94–95+/100
Galloni: 93/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Ayler Kupp Unterstenberg Faß 12 Große Lage 2024

94–95+
/100

Das Jahr 2024 war eines der kühlsten dieses Jahrtausends, wir sind aromatisch in Richtung 2013 oder 2016 unterwegs, aber mit der Präzision und der extremen händischen Selektion, wie sie heute vorgenommen wird, ist das eine ganz andere Nummer. Wir driften weder in Unsauberkeit, noch in Botrytislastigkeit, sondern es bleibt enorm fokussiert und eben animierend straff und athletisch. Ich mag das sehr, wie eine moderne Version von 2008 oder 2016 mit etwas mehr Frische und Pikanz. Aromatisch hat der Weine eine hohe Dichte und Konzentration, schlank zwar, aber absolut nicht karg. Nein, 2024 hat bei all seiner Leichtigkeit schon Substanz und Schmelz. Es waren eben sehr kleine Erträge, Lauer hat ungefähr 60 Prozent verloren durch Frost und sehr frühe Fäulnis, die dann abgefallen ist, da gab es dann einfach keine Trauben. Das Ergebnis ist ein kühler, hochfeiner und zugleich sehr konzentrierter, extraktreicher Jahrgang. Laut Florian Lauer angeblich eine seiner besten Paarzellen mit alten Reben der historischen Spitzenlage Ayler Kupp am Hangfuß. Über 100 Jahre alte Reben in Einzelpfahlerziehung. Die Parzelle ist eigentlich GG-Material, aber durch die hohe Wärme – eigentlich Florian Lauers wärmste Parzelle – und Exposition, gehört der Wein für Florian immer in die nicht knalltrockene Geschmackswelt, weil er sonst zu viel Alkohol hätte. Selbst der Unterstenberg, der aus einer warmen Parzelle stammt und nie ganz trocken durchgegoren ist, ist in 2024 ein kühler, sehr stringenter und steiniger Wein. Kein Anflug von Opulenz, sondern Geradeauslauf total. Er zeigt zerstoßene Muschelschalen, Austernwasser, Meeresbrise, etwas Graphit. Dieses kleine Plus an Süße, das quasi gar nicht spürbar ist, gibt ihm etwas mehr Charme und macht ein paar Zugeständnisse an den Trinkfluss. Dennoch wirkt er straff und griffig durch die hohe Mineralität. Ein archetypischer Saarwein, saftig, dicht, verspielt und mit hauchzarter Süße, aber sicher kein überbordender Show-Wein, sondern eine kühle Klinge.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

93
/100

Galloni über: Riesling Ayler Kupp Unterstenberg Faß 12 Große Lage

The 2024 Riesling Ayler Kupp Unterstenberg No. 12 is from the deeper soils of the lower reaches of the Ayler Kupp. Yeastiness on the nose blends in with smooth, ripe yellow and green apple against a backdrop of slate. The palate has a phenolic edge, lovely body and mouthfeel, plus a well of saltiness that seems to have its root in stone. The 2024 is a dry, beautifully textured Riesling. (Dry)

Mein Winzer

Peter Lauer

Ein junger VDP-Winzer. Das Weingut liegt in Ayl, hat sieben bis acht Hektar und wird in fünfter Generation von Florian Lauer bewirtschaftet. Das Weingut arbeitet biologisch-organisch, ist aber nicht zertifiziert und folgt auch nicht allen Richtlinien, da der Winzer Kupfer ablehnt.

Riesling Ayler Kupp Unterstenberg Faß 12 Große Lage 2024