Das Verblüffende an diesem Wein und das ist eine echte Rarität: Peter Bernhard Kühn hat ihn vergären lassen wie einen normalen Wein und erst spät bei rund 9.5% Alkohol gestoppt. Ihm war die Balance zwischen dieser phänomenalen Säure und Frische und dem geringen Restzucker das Wichtigste. Und mit diesem höheren Alkohol, die man sonst eigentlich sehr selten im Kabinett findet, weil alle früher stoppen, findet der Wein eine Balance auf einer ganz hohen Ebene. Aber von dem Alkohol ist nichts zu riechen oder zu schmecken. Im Gegenteil: Der Wein ist so spannungsgeladen wie ein Flitzebogen. Der 2023er hat eine schiefer-artige Reduktion entwickelt, die man niemals in den Rheingau verorten würde, sondern viel eher an der Mosel oder maximal der Nahe, aber für die Mosel ist es mit 30 Gramm Restzucker zu trocken. In der Nase Feuerstein, Salz, Austernwasser, Schießpulver, Flint, an Frucht maximal ein bisschen Kiwi und Agrumenzesten, aber der Stein dominiert. Der Mund kracht – und er kracht richtig. Die Augen ziehen sich zusammen, all die Spannung aus der Nase entlädt sich in Mineralität und Rauch und Gestein. Im Grunde im Mund mehr auf feinherb hinauslaufend denn auf süß. Rassig und so stramm, wie man es von den harmonischen PJ Kühn eigentlich nicht glauben mag. Das ist ein Hammerteil, irgendwo zwischen Mosel und Schäfer-Fröhlich mit der Power des Rheingaus. Wow! Wahrscheinlich das beste Kabinett von Kühns seit ich hier probiere.