Ich bin überrascht über die Nase des Gigondas in 2023. Nach dem Rasteau und dem Vacqueyras hätte ich nicht so viel blumige Rotfruchtigkeit erwartet. So fein! Gigondas ist zu 100 Prozent der richtige Herausforderer von Châteauneuf-du-Pape an der Südrhône. Was für ein spielerisches, komplexes Etwas! Rote Frucht, rote Kirsche, dazu Erdbeere und Himbeere, aber in hoher Konzentration. Nichts Fettes, alles ist filigran, mit einer feineren Note aus Veilchen und Rosenblättern als noch im Vacqueyras und im Rasteau. Wir sind hier in der total verspielten Finesse! Schick und edel, nichts Raues, und obwohl drei Viertel nicht entrappt sind, ist das in der Nase kaum zu spüren. Das ist schon fast eine abgehobene Grenache-Version wie wir sie aus Spanien von Frontonio in Aragon kennen. Wow, allein die Nase reicht! Der Mund kommt mit roter Kirsche, konzentrierter Himbeere, roter Johannisbeere, Cranberry und viel, viel Kirsche daher. Reife rote Kirsche, aber nichts ist fett, nichts ist süß, im Gegenteil. Das Ganze ist eher salzig unterlegt mit hoher steiniger Intensität und Länge. Ein spielerisches Meisterwerk mit immenser Komplexität. Das ist Burgund in Rhône-Ausprägung. Gar nicht enden wollend… Was für eine große Freude! Und so ganz anders als 2022 und 2021. Am ehesten ähnelt das 2020 in dieser Finesse und Feinheit. Schick und fast abgehoben. Das ist eine große Freude und einfach ein großer Wein. Die klassischen Top-Erzeuger und großen Namen in Gigondas haben es gegen dieses unerhörte und eigentlich unvergleichliche Preis-Qualitäts-Verhältnis schon extrem schwer. 98-100/100 *** Der Gigondas von Tardieu kommt von fünf verschiedenen Plots. In den letzten Jahren wurde die Auswahl der Plots etwas verändert, man hat sich mehr auf höhere Lagen konzentriert. Cool Climate. Die Plots liegen zum Teil auf mittlerer Höhe, der Rest in den obersten Bereichen der Appellation, wo La Bouïssière seinen Sitz hat. Die Majorität kommt von einem einzelnen Weinberg mit über 100 Jahre alten Reben. 90 Prozent Grenache, fünf Prozent Syrah und fünf Prozent Mourvèdre. Die Grenache und die Mourvèdre sind 60 bis über 100 Jahre alt, die Syrah über 40 Jahre. Der Wein hat 14,5 Volumenprozent Alkohol. Drei Viertel der Trauben werden nicht entrappt. Das Ganze wird im Beton spontan vergoren. Danach erfolgen Malo und der zehnmonatige Ausbau in Barriques mit Zweit- und Drittbelegung. Anschließend wird der Wein für weitere 12 Monate in Doppelstück von Stockinger gelegt. Die Weine werden nicht geschönt und nicht filtriert, bevor sie in die Burgunderflaschen gefüllt werden. Seit dem Jahrgang 2020 mit der teuersten Korkvariante von DIAM ausgestattet, die neben Naturkork 100 Prozent natürliche Materialien wie Rizinusöl und Bienenwachs enthält.