Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, normale Vergärung für zweieinhalb Wochen, danach vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank. Der Marenca wird erst für ein Jahr in französischen 500-Liter Tonneaux ausgebaut, ein Drittel Neuholz, der Rest ist in Zweit- und Drittbelegung. Anschließend geht der Wein für ein weiteres Jahr ins große, gebrauchte slawonische Holzfass. Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Seine Reben stehen direkt unterhalb des Weingutes, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Die Böden sind stark eisen-geprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Das ist schon eine verrückte Situation: auf der einen Seite liegen die Weinberge von Angelo Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und in der Mitte, im Filetstück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. Ich glaube, es gibt kein perfekter gelegenes Weingut als Luigi Pira im Herzen Serralungas. Auf den Marenca blickt man direkt, wenn man vom Weingut oben runterschaut. Die Lage ist sehr steil und in perfekter Südexposition. Der Boden im Marenca besteht komplett aus weißem Lehm, was eher maskuline Weine ergibt und den Barolo letztlich deutlich vom Margheria oder Serralunga unterscheidet. Hier kommt wesentlich mehr Power und mehr Druck. Fassmuster. Die Lage ist zwar heute nicht so bekannt, aber in Renato Rattis erster Kartographie war die sie bereits bekannt und inkludiert. Der Wein wird im Januar 2024 abgefüllt. Brillantes Rubinrot. Dichte, rotfruchtige Nase, feine würzige Kräuter über roter Kirsch- und Erdbeerfrucht. Das riecht eigentlich total wie ein roter Burgunder. Fein und erdig, verführerisch und duftig. Die Nase verspricht bereits Saftigkeit. Das ist eine wunderbar komplette, verführerische Nase, und ich habe gerade mal ein Fassmuster im Glas… Grandios! Im Mund knallen hier rote Johannisbeeren ohne Ende auf die Zunge, und auch die Textur erinnert an rote Johannisbeere. Dieses feine, zart griffige Tannin, das Spannung mit klirrender Frische kombiniert. Die Tannine sind aber sogar noch etwas reifer und feiner als im Margheria, aber sie sind dennoch auch griffiger und noch präsenter, denn sie bauen sich nach dem Schlucken mehr und mehr im Mund auf. Monumentale Serralunga Tannine. Würzige Mineralität, auch ein Hauch Lorbeerblatt und Muskatnuss kommen hinterher. Im Mund knirscht diese intensive, kalkige Mineralien-Konzentration geradezu auf der Zunge. Wahnsinn! Ein mineralische Explosion, fast als würde die Zunge mit Stein tapeziert. Das ist Serralunga in Reinform. Mit einer messerscharfen Präzision und großen Tanninen. 2020 ist dieser Wein unendlich gut. Wow, wir haben hier große Tanninstruktur mit einem fabelhaften Charme-Faktor des Jahrgangs kombiniert. 98+/100