Der Wein kommt von der Cote Brune, also Schieferböden. 100 Prozent nicht entrappt, mit Füßen runtergestampft und leicht angequetscht, dann vergoren. Auch hier wird der Hut der Ganztrauben ständig unter dem Flüssigkeitspegel gehalten. Natürlich spontan vergoren, nur in gebrauchten Barriques, es gibt hier kein Neuholz mehr für die Roten. Biologische, hier sogar biodynamische Weinbergsbearbeitung. Das geschieht in beiden Einzellagen, Lancement und Belle Helene. Bei Ogier werden die Weine i.d.R. zwei bis drei Wochen vergoren, danach maximal noch drei bis vier Tage auf den Schalen belassen. Er probiert täglich nach der Fermentation, und wenn der Wein droht an Präzision zu verlieren, was er seines Erachtens tut bei zu langen Standzeiten auf der kompletten Maische, dann presst er sofort ab. Die Malo erfolgt im Fass und der Ausbau dann ohne Bâtonnage für zwei Jahre im Barrique. Bei großen Jahren bleibt er sogar bis zu 2,5, im Notfall auch 3 Jahre im Fass. Bei etwas leichteren Jahren 18 Monate. Belle Helene habe ich, so lange ich hier probiere, noch nie so charmant in der Nase gehabt. 2020 ist so viel feiner und geschliffener als der Blockbuster 2019, es ist der pure hedonistische Charme, gerade in der so überwältigenden Lage. Die Nase ist üppig und dicht, sehr viel pure Schwarzkirsche, Bleistiftabrieb, Assoziationen an einen sehr satten, tiefen, reifen Malbec aus Argentinien oder ein 100%iger Merlot aus Pomerol. Aber beides ist es nicht, denn die Würze aus Cote Rotie und die Frische dazu ist in beiden genannten Assoziationen so nicht möglich. Wir haben mehr Pfeffer, mehr Stein, mehr Kühle. Da kommt natürlich ein Teil auch von den Rappen. Der Mund zeigt eine wahnsinnig würzige Frische und mehr einnehmende Dichte, Cremigkeit und Reife als der etwas kargere, linearere Ausdruck des Lancement, der eher der Mineralhammer ist. Wirklich rassig, rasant und dennoch vollreif. Das heißt schon alle Regler nach Rechts und trotzdem seidiges Tannin. 2020 ist so ein schicker Jahrgang, weil er alles hat, Frische und Reife, so geschmeidig und schön ist, aber er auch zugänglicher ist und nicht so ein Tanninhammer wie 2019. Weitaus trinkbarer, als viele Jahrgänge zuvor in diesem jungen Stadium. Seidig und trotzdem so intensiv und würzig, schwarze Frucht, schwarze Erde, wieder grüne und schwarze Olive, das Ganze endet im Unendlichen. Großer dichter Stoff, der so fein und frisch zugleich ist. Wahrscheinlich gab es Cote Rotie in dieser Klasse auch 1999 nicht, und das war bisher die Benchmark. Super Stoff.