Der 1er Cru Chapritre trägt seinen Namen durch den Orden von Saint-Vincent de Chalon, der diesen Weinberg seit Jahrhunderten schätzte und bewirtschaftete. Lehm-Kalkboden genau in der Hangmitte, perfekte Exposition. Um der hohen Fruchtbarkeit des Bodens entgegenzuwirken schneidet die Domaine hier geringer an und bricht auch mehr Triebe aus, um den Ertrag möglichst gering zu halten. Die Reben sind 45 Jahre alt. Vergärung und Ausbau im Barrique (25 Prozent neu), 350 und 500 Liter Fässern für ein Jahr. Es ist genauso reif wie 2022, aber etwas geschmeidiger und feiner durch den höheren Ertrag. Die Weißen 2023er sind wirklich eine positive Überraschung, wie 2018 auch schon. Der etwas höhere Ertrag bringt mehr Frische. Eine sehr klassische Nase mit der hellen Frucht von Rully, weißer Pfirsich, ein kleiner Hauch Ananas, weißer Pfeffer. Feine reduktive Spannung in der Nase, zitrisch und mit sehr viel mehr Frische als erwartet. Im Mund kommt noch etwas kandierter Ingwer hinzu. Rund, dicht und cremig im Antrunk, wird es zum Ausklang hin immer griffiger und salziger. Ein eher reicher, dichter Rully mit feinen Brioche- und weicheren Steinobstnoten. Wem der Les Cloux zu rassig ist, der sollte beim runderen Chapitre zugreifen.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.