Bellefont-Belcier besteht 2022 aus 72 Prozent Merlot, 18 Prozent Cabernet Franc und zehn Prozent Cabernet Sauvignon. 50.000 Flaschen Gesamtproduktion. Insgesamt wurden 34 Hektoliter pro Hektar gelesen. Ausbau zu 30 Prozent im neuen Holz, zu 30 Prozent in ovalen Holzfudern und der Rest in zwei- und dreijährigen Barriques. Für mich klar der spannendste aller Weine von Kwok. Auch wenn Tour Saint Christophe ganz hervorragend war, ist dieser Bellefont-Belcier in 2022 eine Liga drüber. Satte schwarze Kirsche mit Brombeere, Cassis und Maulbeere, dazu dichte Lakritze, dunkle Schokolade, viel Nutella, viel Flieder und noch mehr Veilchen. Wow, reich, dicht und strukturiert, trotzdem superfein im Gerbstoff in der Nase! Auch der Mund ist deutlich strukturierter als beim Tour Saint Christophe. So viel Grip, da ziehen sich die Augen zusammen! Tolle Sauerkirsche, tolle Frische kommt hintenraus und richtig Wumms. Aber die Tannine sind ultrafein, nur massiv und spürbar. Salzige Länge und richtig Grip am Gaumen und auf der Zunge. Hohe Intensität und eine ziemlich seidige Perfektion. An der gleichen Côte gelegen wie Pavie, Larcis Ducasse im weiteren Verlauf Château Lassègue, aber Bellefont Belcier liegt deutlich über letzterem. Tolle Spannung aufbauend! Ein grandioser, schicker Wein mit unglaublicher Finesse und sehr feinem Körper. Eine große Freude! Ich glaube, das ist der beste Bellefont-Belcier, den ich je probiert habe und 2022 erstmals besser als Larcis Ducasse und somit Primus an der Cote Pavie. Superber Stoff! *** Château Bellefont-Belcier liegt an den Hängen des Kalksteinplateaus, an der sogenannten Côte Pavie. Es ist der übernächste Nachbar von Château Pavie. Reiner Kalkstein mit leichter Lehm-Sand-Auflage an den Südhängen Saint-Émilions. Der nächste Nachbar ist Larcis Ducasse. Die 13,5 Hektar von Bellefont-Belcier liegen auf allerbestem Terroir in Amphitheater-Form. Die Pflanzdichte liegt bei 7.000 Stöcke pro Hektar und bewegt sich in Richtung 10.000. Alles im Weinberg geschieht in Handarbeit, die Exposition ist komplett südlich. Der direkte Nachbar zur anderen Seite ist dann Tertre Roteboeuf. Das Terroir ist allererste Sahne. Purer Kalkstein eben. Die Vergärung erfolgt hier bei 25 bis 27 Grad temperaturkontrolliert und spontan. Die Weine werden im Barrique und zum Teil in Fudern ausgebaut, 30 Prozent neue Barriques. Die Vinifikation findet im Betontank und im aufrechtstehenden Barrique statt. Also eine Mischung aus Mikro-Vinifikation und klassischer Vinifikation. Schwefel sieht der Wein erst kurz vor der Füllung. Seit einigen Jahren kabbeln sich die beiden Topweingüter in Saint-Émilion von Besitzer Peter Kwok, Bellefont-Belcier und Tour Saint Christophe, um die Krone. Tour Saint Christophe einige Meter höher auf reinem Kalkstein in Terrassen gelegen. Bellefont-Belcier dagegen an der Côte Pavie, auch auf reinem Kalkstein, aber als Amphitheater und mit etwas Lehm. Beide in Dichtpflanzung, beide mit winzigen Erträgen von unter einem halben Kilo pro Stock.