Von der Balance und der Säurefrische ist der Jahrgang vergleichbar mit 2015 oder 2012, auch mit 1996 sagt Papa Dr. Richter. Hohe Extraktwerte und sehr hohe Weinsäureanteile. Mittelhohe Mostgewichte, aber sehr reifes Lesegut. Eine sehr besondere Lage, die ich auch vor kurzem erst besser kennenlernen durfte, dabei sitzt sie am gegenüberliegenden Moselufer des Grand Cru Gürtels der Brauneberger Juffer und Juffer-Sonnenuhr, auf der Mülheimer Seite. Dass sie weniger bekannt ist, liegt nur daran, dass sie nur wenige Hektar groß und ein Quasi-Monopol der Familie Richter ist. Die Nase ist hier etwas anders und der Wein fällt insgesamt ein bisschen aus der Reihe der klassischen Mittelmosel, denn die Südlage hat einen deutlich quartzhaltigen Boden und nur wenig Grauschiefer. 2023 hat krachend gute Kabinette hervorgebracht! Denn es ist reif, dennoch sehr vibrierend und saftig, mit brillanter, viriler Säurespur. Die Säure ist gar nicht so weit von 2021 entfernt, aber wir haben klar mehr Druck, mehr Konzentration. Der Elisenberg ist immer etwas kühler als Brauneberg, dazu umwaldet. Der Wein hat analytisch die höchste Säure bei Richter, aber durch den Quartz kommt es so gepuffert und geschmeidig, wirkt immer etwas runder. Die Frucht ist saftig, viel warme Zitrusfrucht, Grapefruit, Johannisbeere und Himbeere. Balanciert, cremig und frisch. Was für ein schickes Kabinettjahr, weil es feinfruchtig, druckvoll und verspielt ist, aber dennoch so viel Vibration hat. Ein paar weiße Blüten dazu. Einfach schön. 94+/100