Die Nase ist wunderbar balanciert – das ist 2022! Sie zeigt gar nicht so sehr die rustikale Verbranntheit manch anderer Jahre, sondern ist eher wie Cornas unendlich fein und verspielt. Schwarze Frucht: Maulbeere und Brombeere, aber auch die sind fein. Satte Blumigkeit dahinter mit Veilchen und Rosen. Nur fein, niemals aggressiv. Der Mund: Ich will nicht sagen gegensätzlich, aber er zeigt ganz andere Schwerpunkte als die Nase. Viel intensiver. Rote und schwarze Frucht, hocharomatisch, da zieht sich der Mund zusammen. Das Ganze von Sanddorn, Mango und Orangenschalen unterlegt. Feine Chilischärfe von den Rappen. Unglaubliche Länge zeigend! Und typisch für 2022: geniale Harmonie und Balance. Das Jahr 2022 ist gerade deshalb so faszinierend, weil die Weine so eine wahnsinnige Balance haben und in ihrer seidigen, samtigen Struktur trotz der Tanninmassen einfach nur delikat sind. Schwarz, reich, fein und verspielt. Syrah der Extraklasse! Alles was da sein muss. 100/100 *** Der Côte Rôtie von Tardieu besteht natürlich zu 100 Prozent Petite Syrah. Oder Serine, wie die uralte, kleinbeerige Form der Syrah hier genannt wird. Die Reben sind über 60 Jahre alt und stehen in den Einzellagen Landonne, Lancement und Chavaroche. Lancement ist definitiv meine Lieblingslage bei Ogier, Chavaroche bei Levet und Landonne ist meist der beste Wein bei Guigal. Das zeigt, wie unendlich lange Michel Tardieu hier Beziehungspflege betrieben hat. Die Trauben gehen komplett unentrappt in die spontane Fermentation im Betontank. Ausgebaut wird der Wein für 12 Monate in Barriques, teils neues Holz, teils Zweitbelegungen. Danach weitere 12 Monate in großen Doppelstückfass von Stockinger. Keine Schönung und Filtration vor der Füllung in die authentischen Burgunderflaschen mit Naturkork. Der Côte Rôtie von Tardieu kommt aus den berühmtesten Einzellagen der Appellation und auch von sehr namhaften Erzeugern, die ich persönlich kenne und zum Teil in meinem Portfolio habe. Aber was die Tardieus daraus machen, ist einfach eine sehr spezielle Liga.