Wie in der Provence fühlt man sich ja zweifelsohne, wenn man in Hajo Beckers Rheingarten sitzt. Meist strahlt die Sonne und der Ausblick auf den glitzernden Vater Rhein ist einmalig, das Wasser nicht mal einen Steinwurf vor den Füßen. Aber einen Rosé hat er dennoch bis zum 2021er nie gemacht. Schon die Farbe ist kein Swimmingpoolrosé. Wie in der Provence üblich, wird der Pinot direkt gepresst, also ohne Schalenkontakt. Farblich ist der Rotweiß zwischen Zwiebelschale und geräuchertem Lachs zu verorten. Wenn wir bei der Analogie zur Provence bleiben, sind wir eher bei Clos Cibonne als bei Aix oder Miraval. Die Nase ist total schlank. Wilde Himbeere, junge Johannisbeere und Grapefruit. Dazu legt sich eine tolle Kräuterwürze mit jungen Thymian und eingelegtem grünem Pfeffer. Im Mund zeigt sich eine tolle Rassigkeit. Kühlfruchtig, salzig, kraftvoll. Ein wenig Grapefruit und Orangenschale. Wow, das ist charaktervoll! Ganz zarte Gerbstoffe geben dem Ganzen nochmal einen ordentlichen Schub. Das ist eindeutig ein Terroirwein. Die Salzigkeit und knackige Säure lassen ganz klar auf Hajo’s Paradelage schließen! Ein wenig freakig ist diese beerige Würze schon. Aber genau das macht diesen Rosé so spannend und trinkfreudig. Eigentlich hätte man das ja erwarten können, wenn ein Unikat wie Hajo einen Rosé macht. Aber dieser ist durch seine präsente Rotfruchtigkeit auch durchaus mehrheitsfähig. Ein toller Rosé fernab der 0815 und genau deshalb ganz toll! 94/100