Bonneveau liegt komplett auf Granitböden, oben auf dem Plateau. Ganz ähnlich wie im Hermitage, sodass die Familie Ferraton, und später die übernehmende Familie Chapoutier, ganz scharf drauf waren, hier noch mehr Land zu bekommen. Es gibt einen 30-jährigen Leasingvertrag mit Vorkaufsrecht. Bis Jahrgang 2021 bestand Bonneveau nur aus alten und uralten Reben. Seit einer Neupflanzung 2018, also mit Erstertrag 2021, sind rund zwei Drittel etwa 40 Jahre alt und der Rest ist aus den jüngeren Reben, die aus einer Top-Selection Massale stammen. Anders als Paradis hat der Weinberg keine Sandauflage – es ist reiner Granit in Südwestexposition. Deshalb hat Bonneveau weniger Charme als Paradis, aber dafür eine innere Spannung und Konzentration ohne jegliche Härte. Die geringere Schwefelzugabe und das Fehlen der Vollhefe in diesem Stadium als Fassprobe führt zu einem deutlich fokussierterem und definierterem Wein. Der 2024er Bonneveau schlägt ein bisschen in dieselbe Kerbe wie der Patou in seinem Gesteinsausdruck. Aber er ist feiner, rötlicher, mehr Saint Joseph eben. Das ist so pur, ungeschönt, so ziemlich der reinste Ausdruck von Saint-Joseph, den ich mir vorstellen kann. Sauerkirsche und Himbeercoulis, Boysenberry, rote Agrumen. Nichts erschlägt einen und dennoch ist alles sehr von enormer Spannung gekennzeichnet. Ultrakristalliner, ungeschminkter Saint Joseph. Der Mund ist so rassig und salzig, dass sich die Zunge rollt. Weniger mediterran als 2023 und 2022, viel pikanter, griffiger, straffer. Das ist Nordrhône in ihrer reinsten Form. Auch deshalb erinnert mich der Jahrgang an mein Lieblingsjahr 2010. Perfektion in einer Klassik, die es nur alle paar Jubeljahre mal gibt. Alles hat seinen Platz, ist geradeso reif genug, das es null rustikal ist, aber noch so prägnant und zupackend, wie Saint-Joseph in den 1990ern und frühen 2000ern war. *** Die Methode Ferraton folgt im Grunde immer einem ähnlichen Schema: Biodynamie in den Weinbergen mit sehr viel Handarbeit aufgrund des hohen Anteils an Steillagen. Für die Signature-Linie werden gekonnte Assemblages von den besten Parzellen zusammengeführt. Meist werden gewisse Anteile an Ganztrauben mitvergoren, wenn es die Lagen und der Jahrgang zulassen, so wie es passt. Die Signature-Linie steht für das Savoire-Faire des Hauses. Bei der Parcellaire-Linie hingegen werden nur Einzellagen abgefüllt, sowie alles vor der Gärung komplett entrappt, weil Winemaker Damien Brisset keinerlei Einfluss nehmen möchte, nur das Terroir soll sich unverändert ausdrücken. Vergoren wird spontan im Beton. Danach wird ganz sanft abgepresst, überwiegend nur der Free Run Juice verwendet. Die Vinifkation erfolgt seit 2022 vollständig ohne Schwefelzugabe. Der Ausbau geschieht in Barriques und Demi-muids, sowie Stückfässern. Die Neuholzanteile sind stets gering, meist um 10 bis 20 Prozent.,