Natürlich wird Grands Epenots biodynamisch bewirtschaftet. Komplett entrappt und spontan vergoren, dann im hälftig neuen Holz ausgebaut. Epenots – das ist die Lage in Pommard schlechthin. Innerhalb der Côte de Beaune gilt Pommard als druckvollste, kraftvollste und opulenteste Gemeinde unterhalb der Grands Crus vom Corton. Pommard war vor Jahrzehnten einer der berühmtesten Rotweine Burgunds überhaupt. Wer einmal die grandiosen Pommards der Domaine Comte Armand (Weinmacher Benjamin Leroux) verkosten durfte, der weiß, dass begnadete Künstler genau hier auf diesem Terroir und Mikroklima den Spagat zwischen Volnay und Chambolle Musigny, also der Côte de Beaune und der Côte de Nuits, schaffen können. Es ist häufig der Fall, dass Weinlagen, die auf Gemeindegrenzen liegen schon Eigenschaften der jeweils anderen Gemeinde zeigen. Epenots grenzt direkt an Volnay und es ist offensichtlich, dass diese Feinheit von Volnay auch in Epenots zu finden ist, wenn man die Weine mit anderen Pommards vergleicht. Dennoch kommt der Wein dunkler und steiniger aus dem Glas als der fruchtbetonte Monthelie. Die 2023er Pinots hat Anne Morey recht früh geerntet, um nicht in eine Überreife zu kommen. Es war ähnlich früh reifend wie 2022, aber durch die etwas größere Erntemenge nicht ganz so brutal konzentriert wie 2022. Es ist etwas geschmeidiger und zugänglicher im Kern, man muss sicher keine 15 Jahre warten, um viel Freude mit den 2023ern zu haben. Der Mund hat eine wahnsinnige Eleganz und Energie. Sehr viel Cassis mit dichtem Kalkstein, der alles belegt. Grands Epenots ist mit die beste Rotwein-Lage der Côte de Beaune.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.