Die Einzellage Corbonnes sitzt direkt über dem Ort Chavanay. Boisseyt besitzt etwas weniger als einen Hektar hier. Es ist die steilste und arbeitsintensivste Lage der Gemeinde. Der Boden ist quarzhaltiger Gneis, der von einer Vielzahl Mineralen und Kristallen durchsetzt ist. Die Auflage ist steinig und karg mit kleinen Tonbruchstücken. Alles Einzelpfahl. Handlese in kleine 20-Kilo-Behälter. Es ist die wärmste Lage der Domaine, steil und exponiert, immer mit die erste, die gelesen wird. Umso erstaunlicher ist die Präzision des Weines. 2022 war heiß und trocken, es gab nahezu keine Regenfälle im Sommer. Ein herzhafter Regen Mitte August brachte dann die entsprechende Reife und half die Frische in den Weinen zu behalten. Es gab 22 Hektoliter / ha Ertrag im Betriebsschnitt, also dennoch sehr gering. Ausbau in Fuderfässern und Tonamphoren. Die Amphoren bringen eine sehr frische Traubenaromatik, sehr kristallin, das spürt man hier auch direkt. Für einen 2022er Condrieu ist das schon sehr frisch und geradlinig. In der Nase Zitronenthymian, Meersalz und Limette, Kalkstaub, grüne Aprikose. Nein, buttrige Opulenz sucht man hier vergebens, das ist ein nobler, sehr präziser Condrieu mit enorm feinem, dezentem Holzeinsatz. Auf der Domaine schätzt man Holzeinfluss übehaupt nicht, nur ein bisschen Sauerstoffaustausch, aber keine Holzaromatik. Sehr schicker Mund, frisch-kräuterig, sehr gerade. Alles ist in Balance, nichts drängt sich auf, nichts überwältigt. Einfach schön, frisch, vibrierend, ein sehr raffinierter Speisenbegleiter. Frische Viognier in 2022 zu haben ist wirklich mehr als überraschend. 95/100