Ein Weingut von 40 Hektar der Familie Thienpont. Regisseur ist Nicolas Thienpont, der auch Beausejour Duffau und Pavie Macquin mitverantwortet. Aber auch andere Mitglieder der großen Thienpont-Familie, Vieux Château Certan, Le Pin etc., sind an diesem Weingut beteiligt. Nicolas wohnt selbst auf Puygueraud. Das ist seit Jahrzehnten das einzig ernstzunehmende Weingut an der Côtes de Francs und es ist weit mehr als ein Geheimtipp. Ultragünstig für eine fast sagenhafte Weinqualität, die durchaus im unteren Mittelfeld Saint-Émilions mitschwimmen kann. Der önologische Berater ist ein Freund von Nicolas Thienpont, Stéphane Derenoncourt, einer der Topönologen des rechten Ufers. Die Weinberge liegen in Saint-Cibard. Dort wohnen auch einige andere Mitglieder des weitverzweigten Thienpont-Clans. Die Cabernet-Anteile machen diesen Wein anders als viele schwarzfruchtige Saint-Émilions. Eben immer sehr rotfruchtig und sehr pikant. Puygueraud ist nun seit so vielen Jahren auf der Überholspur. Mir ist es ein völliges Rätsel, wie dieses Weingut trotz guter Bewertungen nie über dieses Mauerblümchen-Dasein hinauskam. Puygueraud 2022 hat wie auch in 2020 eine unendlich feine Nase. Totaler Schliff, schon im Geruch diese Feinheit ausstrahlend. Viel schwarze Kirsche, tänzelnd, darunter feine Lakritze und Milchschokolade. Im Mund kommen ein bisschen rote Johannisbeere und Sauerkirsche dazu. Es bleibt aber in Summe ein hedonistischer Charmebolzen mit viel Spiel. Ein Leckerli der ersten Reihe. Ohne Größe, sondern einfach nur mit riesigem Charme und Wohlfühlcharakter. Mittlere Länge. Ein schicker, zarter, verspielter Puygueraud.