Clos Louie besteht 2022 aus 60 Prozent Merlot im gemischten Satz mit Malbec und 40 Prozent Cabernet Franc. Es gibt total nur gut 5.000 Flaschen aus 5 Hektat uralter Reben. 14,5 Volumenprozent Alkohol, pH-Wert 3,4. Was wir im Louison & Léopoldine schon hatten setzt sich fort: Was für eine deutliche Majorität von Holunder! Hier kommt aber eher die alte Cabernet Franc durch. Satte, aber sehr konzentrierte und unsüße Waldhimbeer-Note daneben, ganz feine helle Lakritze, helle Schokolade und Nougat. Unglaublich fein das Ganze, spielerisch, aber duftig. Wie kann ein Wein so viel Wucht in der Nase haben und gleichzeitig so fein sein?! Das ist im Grunde ein bisschen wie ein Nerello Mascalese vom Ätna, ultrafeine Callet aus Mallorca oder biodynamischer Volnay, ich denke da an Angerville Clos des Ducs. Irgendwo dazwischen liegt dieser Wein. Faszinierende Nase, Natur pur! Grandios in seiner Duftigkeit und seiner durchdringenden Art! Der Mund ist eine Explosion und gleichzeitig unendlich fein. Da zieht sich der Mund zusammen, die Augen werden schmal. Das Ding hat so eine konzentrierte Himbeer-Sauerkirsch-Erdbeersäure. Wow, das ist unglaublich dicht! Trotzdem ist das reichliche Tannin so gut wie gar nicht vorhanden. Zumindest nicht in Form von anstrengenden Gerbstoffen. Ganz reif, trotzdem super fein und trotzdem super dicht. Ein Kracher im Mund mit unendlicher Feinheit. Eine Turboversion von Finesse! Lang und dicht, zum Träumen einladend – großes Glas, nur Schnüffeln reicht… Dieser Wein kann locker mit dem Feinsten aus dem Burgund oder aus anderen Finesse-Regionen mithalten. Ich bin hin und weg von diesem grandiosen Spiel! Der Wein steht für zwei Minuten... Wenn ich mit diesen als Alltagswein leisten könnte, dann wäre das mein Wein für die Insel. Und ich war gerade bei Jean Faure und habe den neuen Jahrgang probiert – er war auch ein Traum in Rot. Hier werden wir noch konzentrierter und gleichzeitig noch feiner. Das ist sicherlich einer der Höhepunkte auf meiner diesjährigen Bordeaux-Reise. *** Ein Weingut am Rande der Appellation zu Saint-Émilion, mit weniger als 5 Hektar Anbaufläche, dessen Kern eine nur 0,85 Hektar große Zelle bildet, bestockt mit bis zu 180 Jahre alten, wurzelechten Reben, Prephyloxera. Das mit Abstand beste Château in Castillon, das es locker mit allen Weingütern in Saint-Émilion aufnehmen kann. Direkter Nachbar ist Eric Jeanneteau von Tertre de la Mouleyre, das noch in Saint-Émilion liegt. Der Weinberg von Clos Louie steht in der Gemeinde Saint-Philipped’Huile. Merlot, Malbec, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Die verschiedenen Plots sind unterschiedlich alt. Der jüngste 59 Jahre. 60 Prozent Merlot, 10 Prozent Malbec, 30 Prozent nehmen die Sauvignons im gemischten Satz ein. Die Weinberge sind über einer Eisenauflage auf reinem Kalkstein gelegen, biologische Bearbeitung, Gras- und Kräuterbewuchs. Die Lehmauflage über dem reinen Kalkstein ist etwa 30cm dick. Der Ertrag ist auf Grund des hohen Alters der Reben extrem gering. Alles wird in Handarbeit erledigt und auf einem Tisch händisch sortiert und entrappt. Ein Aufwand, welchen sich ein großes Weingut gar nicht leisten könnte. Der alte Weinberg ist mit 6.500 Stöcken pro Hektar bepflanzt. Das Weingut ist inzwischen biodynamisch zertifiziert. Önologe ist Claude Gros, Besitzer sind Pascal und Sophie Lucien-Douteau. Die Weine werden im Zement, aber auch im offenen 30-Hektoliter-Inox-Stahltank vergoren, danach in 600-Liter-Stockinger-Tonneaux, 300 Liter Holzfässer und in Barriques von Sylvain für 20 Monate ausgebaut. Sie bleiben ohne Bâtonnage in diesen Fässern. Unberührt bis zur Abfüllung. Seit 2018 gibt es ein paar kleine neue Plots dazu, insgesamt gibt es somit maximal etwas über 9.000 Flaschen Clos Louie, es bleibt immer noch ein rares Elixier.