Der Frauenberg ist so unglaublich präzise und zupackend und so tiefmineralisch in dieser kristallinen Präzision. Voll auf karger Kalkigkeit laufend. Schon beim ersten hineinriechen kommt mir hier das Kirchspiel in Westhofen in den Sinn. Denn die Nase hier ist ebenso kristallin, helltönig und so enorm von Kalksteinmineralität geprägt, dass es purer kaum mehr geht. Das ist nicht verwunderlich, denn der Frauenberg in Flörsheim hat ein sehr ähnliches Profil von extrem kargem, hellem Gestein. Leichter Kalkschotter über purem Kalksteinfels – eben sehr ähnlich zum Kirchspiel. Der Weinberg ist zwar exponiert, wird jedoch permanent von kühlen Abwinden durchzogen, sodass die Trauben langsam und spät ausreifen. Frauenberg ist immer die zuletzt geerntete Lage von Battenfeld, aber zugleich die feinste und präziseste. In der Nase fast Meeresbrisen-artige Kühle mit saliner Unterlegung wie Austernschale. Filigrane und kalksteinige Nase, Graphit, Orangenschale, Anis, schicke Zitrusfrucht. Das ist wild und fein zugleich, abgehoben und vibrierend. Das ist Kalksteinriesling wie er purer kaum sein kann – eben genau wie das Kirchspiel. Zupackend, enorm mineralisch und Präzise, aber ohne Schärfe. Das ist sehr geradlinig, aber wunderschön, strengt nicht an. Wenn man in den kargsten Hochlagen Meursaults oder Chablis einen Riesling anbauen würde, dann könnte er wohl genauso schmecken wie dieser Frauenberg. Die Finesse und Leichtigkeit des Frauenbergs ist immer bestechend und 2022 ist für mich ganz großer Stoff. 98-99/100