Philipp Wittmann: »Ich glaube, dass 2025 extrem mineralisch aufgeladen ist, auch wenn der Begriff inflationär verwendet wurde in den letzten Jahren. Aber es war genug Wasserversorgung da, sodass da in den Trauben schon sehr viel Extrakt aufgebaut wurde. Die Weine haben mich in der Jungwein-Probe sehr an die Weine meines Vaters der besten Jahrgänge der 1990er Jahre erinnert. Diese Schlankheit und Kühle bei voller Reife hatten wir schon lange nicht mehr.« Morstein ist eine kühle Lage auf 250 Metern Höhe. Der untere und mittlere Teil besteht aus reinem Kalkstein. Kalk- und Tonmergel auf einem Kalksteinfels. Entsprechend eine Mischung aus Eleganz und Power. Durch die Lage, die sich über verschiedene Höhen zieht und die Windoffenheit hat der Morstein sowohl warme als auch kühlere Ecken. Grundsätzlich hat Philipp Wittmann drei Parzellen hier, die sich je nach Jahr sehr unterschiedlich präsentieren können. Ein absolutes Kernstück und zwei darumliegende, die aber nicht direkt angrenzend sind. Der Morstein ist eine unaufhaltsame Macht in 2025. Läuft wie mit Scheuklappen geradeaus, kennt kein links und rechts. Wahnsinnig kühl und steinig für 2025. Das fast wilde Brunnenhäuschen ist ein ganz anderer Typ als dieser fast stahlige, kalkig durchtrainierte, sehnige Morstein. Er zieht durch wie ein Zehnkkämpfer, muskulös, dicht, steht stramm wie eine Felswand im Mund, unbeweglich und ewig lang. Er zeigt kaum Frucht, eher nassen Stein, Flechten, Morgentau, Kalkstaub. Er ist vorne im Mund fast filigran am Auftritt, dann schieben sich die feinen Säureäderchen nach, alles wird salzig belegt und am Ende kommt nur Struktur, Stein, Rauch und Salz. Steht für Minuten am Gaumen. Alle Regler nach Rechts. Ich liebe den 2024er Morstein, aber 2025 setzt nochmal eine Schippe drauf, weil er so brachial intensiv ist in seiner unnahbaren Kühle. Er kennt nur einen Weg: vorwärts! Das ist schon verdammt stoffig und tief wie 2019, ansonsten zeigt er sich aber völlig unbeeindruckt vom warmen Jahrgang. Ob man jetzt diese unbeirrbare Kühle des Morsteins oder die wilde Vibration des Brunnenhäuschens größer findet, ist persönlicher Geschmack. Ich bin dennoch eher beim Morstein. Wo früher ein Clos St Hune von Trimbach das Maß aller Dinge war, ist es heute womöglich Wittmanns Morstein.