Am 16. September begann die Lese bei Tollot, also deutlich später als im Vorjahr. Es war ein kühleres, regenreiches Jahr. Die Weine sind filigran aber fruchtstark. Es gibt keinerlei Überreife, die Alkoholgrade liegen zwischen 12.5% und 13% vol., also ziemlich perfekt für Pinot Noir. Ca fait du bien! sagt Nathalie über den Jahrgang, er macht nie müde, hat Trinkfluss ohne Ende. Revitalisierend, saftig und sehr verspielt. Es gab rund 25 Prozent Ernteverlust aufgrund einer sehr schlechten Blüte im Frühjahr mit einsetzendem Mehltaubefall. Andere hat es aber noch viel schlimmer getroffen, bei Tollot hält sich der Verlust in Grenzen. Im Corton Grand Cru lag die Mengeneinbuße mit Minus 40 Prozent aber deutlich über dem Schnitt. Im Mund ein erstaunlich feiner Saft, der Schritt zum Grand Cru wird sofort schmeckbar. Die Tannine haben einfach eine andere Qualität, sind perfekt in den Wein verwoben, zart und geschmeidig, unter der dichten blauen Fruchtwolke kaum wahrzunehmen. Der Corton hat schon aus dem Fass so viel Charme und Expressivität, man würde ihn kaum an den Corton stecken. Null Rustizität! Satter Druck aus Brombeeren mit süßem Schwartee, etwas Pumpernickel und frisch aufgewühlter Erde. Grandiose Süße, ein geradezu köstlicher Saft, was auch an der sehr lebhaften Säurespur liegt. Die Tannine sind nicht nur fein, sondern schwebend. Natürlich hat der Corton die Struktur eines Grands Crus, aber so finessenreich und saftig war er selten. Ein sehr schicker Corton für die Freude und die Gourmandise – und das sogar noch mehr als letztes Jahr, das hätte ich nicht gedacht.
2024 markiert die Rückkehr zu einem sehr klassischen, fast schon nostalgischen Stil. Die Weine sind deutlich kühler, straffer und mineralischer als in den Vorjahren. Mit moderaten Alkoholgraden zwischen 12 % und 13 % vol. erinnert der Jahrgang an die »gute alte Zeit« des Burgunds. Besonders die Weißweine bestechen durch einen laserartigen Fokus und eine berstende, kristalline Mineralität, die an das exzellente Jahr 2014 erinnert. Ein Jahrgang für Puristen, die Struktur und Kante über cremigen Charme stellen. Der Jahrgang 2024 war ein hartes Stück Arbeit für die Winzer. Starke Frostschäden und ein sehr regenreiches Frühjahr und massiver Mehltaubefall führten zu drastischen Ertragseinbußen, besonders an der Côte de Nuits. Ein »goldener September« rettete zwar die Qualität der verbliebenen Trauben, doch die Mengen bleiben extrem klein. Die Qualität variiert stark je nach Lage und Geschick des Winzers. Wer jedoch bei den Top-Produzenten fündig wird, erhält tiefgründige, charakterstarke Weine von großer Eigenständigkeit und Raritätswert.